Der Blick auf das Wattenmeer auf Amrum. © Oliver Franke

Stress adé: Ein Wochenende auf Amrum

Intakte Natur, friesische Kultur und etwas für den Gaumen: Obwohl Urlaubern auf Amrum durch zahlreiche Aktivitäten sowie Möglichkeiten zur Entspannung wohl auch bei einem längeren Aufenthalt nicht langweilig wird, lohnt sich ein Besuch der Nordseeinsel auch nur für ein verlängertes Wochenende. Wir waren drei Tage vor Ort und geben Tipps für ein perfektes Wochenende auf Amrum.

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Erstellt von: Alina Lingg

Die nordfriesische Insel Amrum bietet eine einzigartige Kombination aus landschaftlicher Vielfalt, maritimer Tradition und friesischer Gastfreundschaft. Unweit von Hamburg gelegen, stellt sie außerdem das ideale Ziel für einen Wochenendausflug dar, der Entspannung und Erkundungen verbindet. Gäste, die dem Alltagsstress entfliehen wollen, können in nur wenigen Tagen die Highlights von Amrum entdecken.

Laut Lars Rickerts, Tourismusvertreter von Amrum, entscheiden sich rund 70 Prozent der Gäste für einen Urlaub auf Amrum aufgrund der intakten Natur. Dazu gehören kilometerlange, weiße Sandstrände, Dünenlandschaften, das Wattenmeer, Wälder und Marschwiesen. „Wir wollen die Natur schützen und sie trotzdem zugänglich machen“, beteuert Rickerts, der in vierter Generation auf Amrum lebt. Neben ihm nennen rund 2.300 weitere Insulaner Amrum ihr Zuhause. Auf diese beschauliche Zahl kommen etwa 10.000 Gästebetten.

Mit der Fähre in den Urlaub

Am besten zu erreichen ist Amrum via Fähre von dem Hafen in Dagebüll. Eine Überfahrt dauert zwischen 90 und 120 Minuten. Die Fahrpläne variieren je nach Jahreszeit, sodass es ratsam ist sich im Voraus über faehre.de über die Abfahrts- und Ankunftszeiten zu informieren und Tickets zu buchen. Einer der Kapitäne, der die Touristen, Einheimischen und Pendler sicher auf die Insel bringt, ist Marc Blank. Er kommt von der Ostsee, ist seit vier Jahren Kapitän und war zuvor als Steuermann und Schiffsmechaniker tätig. Mehrmals täglich steuert er das Schiff von Dagebüll nach Wittdün auf Amrum und zurück, passiert dabei die Insel Föhr und lässt die Halligen an sich vorbeiziehen.

Kapitän Marc Blank während der Überfahrt von Dagebüll nach Amrum. © Alina Lingg

Blank schätzt es auf Kurzstrecke tätig zu sein: „Hier wird es nie langweilig. Auf Langstrecke fährt man teilweise nur stur geradeaus und stellt vielleicht einmal in der Stunde den Kurs um.“ Auf seiner Strecke legt er die Fähre hingegen mehrmals täglich an unterschiedlichen Häfen an und ab.

Ankunft auf Amrum

So auch in Wittdün. Der Küstenort im Süden der Insel gilt als Küken der drei Gemeinden auf Amrum, da er erst 1890 als Urlaubsort gegründet wurde. Mit der steigenden Bedeutung des Tourismus entwickelte sich Wittdün von einem bescheidenen Fischerort im Laufe der Zeit zu einem beliebten Urlaubsort und einem bedeutenden Handelsplatz der Insel.  

Wessen Hotel nicht direkt in Wittdün liegt, kann den Bus, das eigene Auto oder eines der beiden Taxis bis zu seiner Unterkunft nehmen. Zu empfehlen ist beispielsweile das 4-Sterne Genuss und Spa Resort Seeblick in Norddorf. Hier können Gäste in einem der 48 Zimmer und Suiten unterkommen, im Spa Bereich entspannen und im zugehörigen Restaurant regionale Speisen essen. Mit seiner zentralen Lage in Norddorf bietet das Hotel außerdem den idealen Ausgangspunkt für Unternehmungen.  

Eines der Hotelzimmer im Seeblick Hotel. © Alina Lingg

Führung durch Norddorf

Gemeinsam mit Süddorf, das zur Gemeinde Nebel gehört, ist Norddorf das älteste der Amrumer Dörfer und zeichnet sich durch seine traditionelle Architektur sowie charmante Atmosphäre aus. Wer die Geschichte des Dorfes besser kennenlernen möchte, dem empfiehlt sich eine historische Führung durch Norddorf mit Rainhard Boyens. Er ist Strandkorbvermieter und Wattführer und hat beeindruckendes Wissen über die Gemeinde auf Amrum, deren Geschichte sowie deren ursprüngliche Bewohner. Sein Fazit: „Auf Amrum ist das Leben noch in Ordnung. Ich wohne hier im Paradies.“  

Rainhard Boyens während seiner Führung durch Norddorf. © Alina Lingg

Sand wie in der Karibik

Ein großer Teil des Paradieses: der Sandstrand auf Amrum, der sich über die gesamte Westseite der Insel zieht. Amrum ist zwar klein, der Strand dafür aber riesig: zwölf Kilometer lang und bis zu zwei Kilometer breit. Aus der Ferne grüßen Leuchttürme, die Südspitze Sylts ist erkennbar, Möwen ziehen ihre Kreise am Himmel und man sieht Sand soweit das Auge reicht. Die Insulaner vergleichen ihren Kniepsand gerne mit dem der Karibik – und das zu Recht. Der Sand ist extrem fein und weiß. Der Grund dafür: Vor der Insel befinden sich zahlreiche Sandbänke, die die Wellen brechen. Der grobe Sand bleibt dort liegen, während es nur der feine weiße Sand bis an die Küste schafft. Ein Besuch des Strandes ist auch bei einem Kurztrip nach Amrum also unverzichtbar.

Der weiße Sandstrand auf Amrum. © David Emrich

Wattwandern bis zur Nachbarinsel

Ein weiteres landschaftliches Highlight auf Amrum: das Watt. Bei Ebbe zieht sich das Wasser des Meers zurück, sodass das Watt und dessen Ökosystem zu Fuß erkundet werden können. Eine Wattwanderung mit einem Führer gehört schon fast zum Pflichtprogramm für einen Urlaub auf Amrum. Ambitionierte Wattläufer, die etwas mehr Zeit mitbringen, können von Amrum aus sogar zur östlich gelegenen Nachbarinsel Föhr laufen. Die sieben Kilometer können in etwa 2,5 Stunden zurückgelegt werden, wobei ein Priel durchquert wird, bei dem einem das Wasser bis knapp unter die Hüfte steht.

Wattwanderung von Amrum nach Föhr. © Oliver Franke

Spaziergang durch die Amrumer Dünen

Wem es eher nach einer trockenen Wanderung beliebt, kann durch die Amrumer Dünen spazieren, die ein markantes Landschaftsmerkmal der Insel sind. Zahlreiche Bohlenwege ermöglichen lange Spaziergänge durch die Dünenlandschaft, ohne dass das Naturschutzgebiet gefährdet wird. Von den Aussichtsplattformen haben Besucher einen Blick über die Formationen der Dünen, über den Sand bis hin zum Meer und Horizont. Neben Gräsern und Pflanzen bieten die Dünen auch einen wichtigen Lebensraum für Tiere.

Die Dünen auf Amrum. © David Emrich

Für die Urlauber, bei denen die Entdeckungslust auch nach Sonnenuntergang noch anhält, bietet der Einheimische Dark Blome nächtliche Führungen wie „Dark Dunes“ oder „Dark Sky“ an. Je nach Führung bringt Blome den Teilnehmern Sagen von Amrum, mystische Erzählungen über die Besiedlung der Insel und die Entstehung der Dünen sowie über den Sternenhimmel und seine Bilder nahe. Durch ein Teleskop können die Teilnehmer Mars, Saturn und Jupiter bestaunen. Gegen Ende der Führung spielt Blome klassische Musik, während die Teilnehmer auf dem Rücken liegend den Sternenhimmel ansehen können. Wer Glück hat, entdeckt eine Sternschnuppe am Himmel – ein echter Marmeladenglasmoment.

Der Sternenhimmel auf Amrum mit Leuchtturm. © Sven Sturm

Friesische Kultur in Nebel

Während Wittdün und Norddorf schon früh vom Fremdenverkehr geprägt wurden, hat die Gemeinde Nebel den damaligen Tourismusboom verschlafen. Aufgrund dessen zeichnet sich der Ort in der Mitte der Insel noch heute durch seinen historischen Charme aus. Ein Spaziergang durch die Gassen des Dorfes fühlt sich wie eine Reise in die Vergangenheit an und ist deshalb wärmstens zu empfehlen. Hier reihen sich zahlreiche reetgedeckte Friesenhäuser aneinander, die große Fläche des Hauses traditionell nach Süden ausgerichtet, ohne Keller, dafür mit Windfang, Sprossenfenster, einer niedrigen Traufe, Zwerchgiebel und Felssteinen als Fundament.

Ein traditionelles Friesenhaus in Nebel. © Alina Lingg

Häuser auf Amrum haben oft noch heute traditionelle friesische Namen, wie „Oomes hüs“, Omas Haus. Einen Blick in eines der Häuser können Besucher im Öömrang Hüs werfen. Das Haus wurde 1683 erbaut und dient heute als Museum, das originalgetreu eingerichtet ist sowie wechselnde Ausstellungen zeigt.

Im Herzen des historischen Ortskerns Nebel liegt das Hotel Friedrichs mit liebevoll eingerichteten Zimmern und Suiten. Das Hotel blickt auf eine 125 Jahre währende Geschichte zurück und bietet seinen Gästen eine Mischung aus Tradition und Moderne. Neben Garnelen, Steinbeißern und selbst hergestelltem Labskaus finden Gäste des Hotels sowie auswertige Urlauber auch Nudelgerichte auf der Karte des dazugehörigen Restaurants.

Ein Muss ist außerdem der Besuch des Leuchtturms in Nebel. Er wurde 1875 eröffnet und ist mit 41,8 Metern der höchste begehbare Turm an der Nordseeküste. 297 Stufen führen vom Fuß der Düne bis zum Balkon. Bei klarer Sicht bietet sich oben ein Blick auf Amrum, die Nachbarinseln Sylt und Föhr sowie auf das Weltnaturerbe Wattenmeer. Als Wahrzeichen von Nebel zählen außerdem die St.-Clemens Kirche aus dem 13. Jahrhundert im Ortskern sowie eine voll funktionstüchtige Mühle, die als Museum ausgebaut wurde.

Die Mühle in Nebel. © AngelaHB

Mit ihrer landschaftlichen Vielfalt auf kleinem Raum ist die Insel Amrum ein Paradies für Naturliebhaber, Kulturinteressierte und Ruhesuchende. Obwohl Urlaubern auch bei längeren Aufenthalten auf Amrum nicht langweilig wird, lohnt sich ein Besuch der Nordseeinsel auch für Gäste, die inmitten von Arbeit und Alltagsstress nur wenige Tage Zeit zur Entspannung haben. Das Eiland ist wohl der ideale Ort, um dem Alltag auch nur für eine kurze Zeit entfliehen zu können.

Anmerkung der Redaktion: Diese Reise wurde unterstützt durch Nordseetourismus. Unsere Berichterstattung ist uns in ihrer Unabhängigkeit und Neutralität besonders wichtig. Die Meinungen, Eindrücke und Erfahrungen der Autoren spiegeln ihre persönlichen Ansichten wider.