Ein Spaziergang durch Budapest kann an einer Basilika beginnen, an einer Synagoge vorbeiführen und in einem Thermalbad enden. Die Gebäude erzählen dabei ganz unterschiedliche Teile der ungarischen Geschichte. Wer sie nur als Fotomotive betrachtet, übersieht die Zusammenhänge zwischen den Orten. Architekturführungen bieten einen Zugang: Sie erklären, warum eine Kirche so aussieht, wie sie aussieht, und wie sich ein Viertel über die Jahrhunderte verändert hat.

Budapest ist dafür ein guter Ausgangspunkt. Doch auch außerhalb der Hauptstadt lassen sich Reisen entlang bestimmter Bauwerke planen. Von Pannonhalma bis Pécs, von Sopron bis Szeged stehen Klöster, Moscheen und Bürgerhäuser für Epochen, die auf einer Landkarte allein kaum zu erkennen sind.

Kirchen mit unterschiedlichen Geschichten

Die St.-Stephans-Basilika auf der Pester Seite und die Matthiaskirche im Budaer Burgviertel gehören zu den bekannten Stationen eines Budapest-Besuchs. Sie führen zu unterschiedlichen Kapiteln der religiösen und königlichen Geschichte. Bei der Matthiaskirche hilft ein Audioguide dabei, die Architektur genauer zu betrachten, statt nach dem Blick auf das Dach gleich weiterzugehen.

Außerhalb Budapests erweitert sich diese Route. In Esztergom steht die Basilika über der Donau; in Pannonhalma reicht die Geschichte der Erzabtei bis zur Gründung im Jahr 996 zurück. Pécs verbindet die Kathedrale St. Peter und Paul mit frühchristlichen Stätten. Für Besucher lohnt es sich, vorab zu entscheiden, ob der Schwerpunkt auf Kirchenräumen, Klosterleben oder den Spuren der frühen Christen liegen soll.

Das Jüdische Viertel jenseits des schnellen Rundgangs

In Budapest liegen die Synagogen der Dohány-, Rumbach- und Kazinczy-Straße in einem Viertel, das man gut zu Fuß erkunden kann. Eine Führung verbindet die einzelnen Gebäude mit der Geschichte der jüdischen Gemeinde. Zum Besuch gehört auch der Raoul-Wallenberg-Holocaust-Gedenkpark. Er setzt einen anderen Schwerpunkt als die Betrachtung von Fassaden und Innenräumen: Hier geht es um Erinnerung.

Wer diesen Teil der Reise vertiefen möchte, findet weitere jüdische Stätten in Sopron, Kőszeg sowie in der Region Tokaj-Hegyalja. In Kőszeg führt der mobil geführte Rundgang „Jewish Lives and Memories“ durch die Stadtgeschichte. Die Route „Footsteps of the Wonder Rabbis“ verbindet Orte in der Region Tokaj-Hegyalja. Solche Angebote lassen sich als eigene Etappe planen, statt sie zwischen andere Besichtigungen zu schieben.

Die zwei Türme der Synagoge in der Dohány-Straße bei Sonnenuntergang
Die Synagoge in der Dohány-Straße ist eine Station im Jüdischen Viertel.Foto: © Visit Hungary

Osmanische Architektur, die weiter genutzt wird

Im Rudas-Bad ist der türkische Badbereich aus dem 16. Jahrhundert erhalten. Die osmanische Baugeschichte lässt sich hier mit einem Badbesuch verbinden. Vor der Buchung sollten Gäste die Zugangsregeln prüfen, denn für den türkischen Bereich gelten je nach Wochentag unterschiedliche Besuchszeiten für Männer und Frauen.

Das Grabmal des Gül Baba zeigt eine andere Seite der osmanischen Vergangenheit Budapests. Außerhalb der Hauptstadt führen deren Spuren unter anderem nach Pécs mit der ehemaligen Moschee des Paschas Kászim und der Jakováli-Hasszán-Moschee. Auch das Minarett in Eger und die Sultan-Süleyman-Moschee in Szigetvár lassen sich in eine Architekturreise einbeziehen.

Grabmal des Gül Baba mit Kuppel und Gartenanlage in Budapest
Das Grabmal des Gül Baba gehört zu den osmanischen Denkmälern Budapests.Foto: © Visit Hungary

Auf der Andrássy út den Maßstab wechseln

Auf der Andrássy út rückt die großstädtische Entwicklung des späten 19. Jahrhunderts in den Blick. Die Staatsoper und die Achse zum Heldenplatz geben dem Spaziergang markante Orientierungspunkte. Unter der Straße verläuft die historische Millenniums-Untergrundbahn. Ein Weg lässt sich damit auf zwei Ebenen erkunden: entlang der Fassaden und in den Stationen darunter.

Die KÉK Urban Walks des Zentrums für zeitgenössische Architektur bieten Führungen mit fachlichem Schwerpunkt an. Themen sind unter anderem Jugendstil, Bauhaus, sozialistischer Modernismus und das Burgviertel. Englischsprachige Führungen sind möglich. Wer einen bestimmten Baustil kennenlernen möchte, sollte das aktuelle Programm und die verfügbaren Sprachen vorab prüfen.

Blick von oben auf die Andrássy út und eine Kreuzung in Budapest
Die Andrássy út zeigt die großstädtische Entwicklung des späten 19. Jahrhunderts.Foto: © Visit Hungary

Die Reise geht außerhalb Budapests weiter

Für weitere Stadtspaziergänge bieten sich Győr, Sopron und Szeged an. Das Rathaus von Győr und die Altstadt von Sopron ergänzen den Blick auf die Architektur der Österreichisch-Ungarischen Monarchie. In Szeged liegen mit dem Reök-Palast und dem Nationaltheater Beispiele für Jugendstil und Historismus.

Statt möglichst viele Gebäude abzuhaken, lohnt sich eine Auswahl nach Interesse. Ein Rundgang durch das Jüdische Viertel braucht einen anderen Rahmen als ein Badbesuch oder eine Führung durch ein Kloster. Mit Zeit für die einzelnen Orte wird aus der Sehenswürdigkeitenliste eine Reise, bei der auch die Geschichte hinter der Fassade Platz bekommt.