Wald oder Küste, Schotter oder asphaltierter Weg: Wer Western Australia mit dem Fahrrad erkunden möchte, muss sich zunächst für die Art der Reise entscheiden. Zwischen Perth und der Südküste liegen lange Offroad-Routen, Mountainbike-Reviere und kürzere Touren, bei denen die nächste Pause wichtiger sein darf als die gefahrenen Kilometer. Eine einzige Strecke kann diese Vielfalt kaum abbilden.
Am 10. und 11. Oktober 2026 bekommt vor allem der sportliche Südwesten internationale Aufmerksamkeit. In Nannup werden die UCI Gravel World Championships ausgetragen – erstmals außerhalb Europas. Der Ort liegt zugleich am Munda Biddi Trail. Für Radreisende ist die Weltmeisterschaft damit ein Anlass, über den Rennkurs hinaus auf die Region zu schauen.

Nannup: Die Weltmeisterschaft als Ausgangspunkt
Gravel verbindet das Tempo des Straßenradsports mit unbefestigten Wegen. Die WM-Kurse rund um Nannup zeigen, wie anspruchsvoll diese Kombination werden kann: Viele kurze, teils steile Anstiege folgen aufeinander, mindestens 80 Prozent der Strecken verlaufen auf Schotter und anderen unbefestigten Untergründen. Wer selbst fahren möchte, muss allerdings keine Rennstrecke bewältigen. Rund um den Ort lässt sich auch eine einzelne Tagesetappe oder der Einstieg in eine längere Tour planen.
Munda Biddi: Eine Reise durch den Busch
Der Munda Biddi Trail führt von Mundaring in den Perth Hills bis nach Albany an der Südküste. Rund 1.060 Kilometer machen ihn zu einem Projekt für eine längere Radreise. Zugleich lässt sich die Route in Abschnitte aufteilen. Entscheidend ist die Auswahl einer Etappe, deren Länge und Untergrund zum eigenen Können und zum verfügbaren Zeitbudget passen.
Ein Beispiel im Süden ist die Verbindung zwischen Walpole und Denmark: knapp 150 Kilometer, die sich für eine mehrtägige Tour eignen. Die Region ist von hohen Wäldern und der Nähe zur Küste geprägt. Gerade beim Bikepacking ist der Weg kein austauschbarer Transfer zwischen zwei Orten. Er bestimmt den Tagesrhythmus – und verlangt mehr Planung als eine spontane Runde vor dem Frühstück.

Yallingup und Margaret River: Bewegung und Genuss
In der Gegend um Yallingup und Margaret River wechseln sich Wälder, hügeliges Gelände und Küstenlandschaften ab. Für eine Radreise bietet sich hier ein anderer Schwerpunkt an: sportliche Abschnitte mit Aufenthalten in der Weinregion verbinden, statt möglichst viel Strecke in einen Tag zu packen.
Der Margaret River Wine Cycle Trail ist eine konkrete Möglichkeit dafür. Er führt zu Weingütern und durch die Landschaft rund um Margaret River; Restaurants oder ein mitgebrachtes Picknick liefern den Anlass für längere Pausen. Die Rückfahrt führt durch Wald. Wer vor allem technische Trails sucht, sollte die Tour nicht mit einer anspruchsvollen Mountainbike-Strecke verwechseln.

Collie und Dwellingup: Das Gelände gibt den Takt vor
In Collie und Dwellingup rückt das Mountainbike in den Vordergrund. Das Angebot reicht von leichteren Waldwegen bis zu Strecken mit technischen Passagen. Eine Tour sollte deshalb nach dem Schwierigkeitsgrad gewählt werden, nicht allein nach der Kilometerzahl.
Rund um Collie gehören die Wälder des Wellington National Park und das Tal des Collie River zu den prägenden Landschaften. Singletrails, Kurven und wechselnder Untergrund machen die Fahrt hier zu einer anderen Erfahrung als eine Küstentour. Dwellingup bietet ebenfalls ein weitläufiges Netz in bewaldetem Gelände. Beide Orte eignen sich als Basis, wenn mehrere Touren von einem festen Standort aus geplant sind.
Swan Valley: Eine kurze Runde vor den Toren von Perth
Für einen Radtag mit überschaubarem Aufwand bietet sich das Swan Valley nahe Perth an. Der Swan Valley Heritage Cycle Trail umfasst drei Routen von vier, 30 und 32 Kilometern. Damit lässt sich die Länge anpassen, ohne auf die typischen Stationen der Region zu verzichten.
Weingüter, regionale Produzenten, Galerien und Restaurants liegen entlang der verschiedenen Routen. Auf dem gemeinsam genutzten Weg an der West Swan Road begegnen sich Radfahrer und Fußgänger. Der Reiz liegt weniger in sportlicher Abgeschiedenheit als darin, eine Landschaft zwischen Landwirtschaft, historischen Gebäuden und Gastronomie im eigenen Tempo zu erkunden.
Esperance: Küstenradweg und Lucky Bay
Bei Esperance lohnt es sich, zwei Namen auseinanderzuhalten. Der Great Ocean Drive ist eine rund 40 Kilometer lange Straßenrunde. Daneben gibt es einen eigenen Küstenweg für Radfahrer und Spaziergänger. Von der Stadt führt er etwa zehn Kilometer bis Twilight Beach; weitere Abschnitte ermöglichen eine Rückkehr über Pink Lake.

Wer die Strandlandschaften weiter erkunden möchte, kann einen separaten Ausflug zur Lucky Bay im Cape-Le-Grand-Nationalpark einplanen. Der weiße Sand, das klare Wasser und die Kängurus, die hier gelegentlich am Strand anzutreffen sind, stehen für die Küste rund um Esperance. Lucky Bay gehört jedoch nicht zur genannten Straßenrunde oder zum Küstenradweg. Sie ist ein eigener Abstecher – und ein guter Grund, die Radreise nicht ausschließlich nach Kilometern zu bemessen.