Ein „Open“-Schild im Vorgarten zeigt, wo Besucher einkaufen können. Manche Familien verkaufen Quilts oder Holzspielzeug, andere Gebäck und Erzeugnisse aus dem eigenen Garten. Entlang des Amish Trails im Westen des Bundesstaates New York sind solche kleinen Verkaufsstellen die Anlaufpunkte für eine Reise durch ländliches Gebiet.
Der Trail liegt überwiegend im Cattaraugus County, das zur Region Chautauqua-Allegheny gehört. Er ist keine festgelegte Strecke mit einem verbindlichen Start und Ziel. Höfe, Werkstätten und weitere örtliche Betriebe lassen sich je nach Interesse zu einer eigenen Route verbinden. Wer hinfährt, besucht eine Gegend, in der Menschen leben und arbeiten. Die Geschäfte sind für Gäste geöffnet, die Wohnhäuser bleiben privat.
Seit Generationen im Conewango Valley
Die älteste noch bestehende Amish-Siedlung im Bundesstaat New York entstand 1949 im Conewango Valley. Familien aus Pennsylvania und Ohio ließen sich hier nieder, unter anderem auf der Suche nach geeignetem Farmland. Die Geschichte der Glaubensgemeinschaft reicht weiter zurück: Ihre Wurzeln liegen in der Schweizer Täuferbewegung; im 18. Jahrhundert wanderten erste Mitglieder auf der Suche nach Religionsfreiheit nach Pennsylvania aus.
Die örtlichen Old Order Amish leben nach besonders traditionsgebundenen Regeln. Pferdekutschen, schlichte Kleidung und Landwirtschaft gehören zu ihrem Alltag. Der Umgang mit Technik unterscheidet sich zwischen den Gemeinschaften. Familie, Glaube und gegenseitige Unterstützung stehen im Mittelpunkt.

Handwerk direkt vom Hof
Das Angebot der kleinen Geschäfte reicht von Möbeln und Körben bis zu Teppichen und handgefertigten Quilts. In den Holzwerkstätten entstehen auch Spielzeug und andere Gebrauchsgegenstände. Oft weisen handgemalte Schilder auf die Waren hin. Ein großes Einkaufszentrum oder eine zentrale Verkaufsstelle gibt es entlang des Trails nicht; die einzelnen Betriebe verteilen sich über die Landstraßen.
Andere Familien bieten Lebensmittel an: Marmeladen, Backwaren und Eier, dazu Obst und Gemüse je nach Saison. Für die Tourenplanung ist diese Unterscheidung hilfreich. Wer sich für Textilien oder Möbel interessiert, wählt andere Stopps als jemand, der vor allem regionale Erzeugnisse einkaufen möchte. Die Auswahl lässt sich vor der Fahrt zusammenstellen und unterwegs anpassen.

Mit einem Guide ab Leon unterwegs
Eine individuelle Führung lässt sich über die Leon Historical Society reservieren. Die Touren starten in Leon. Ein örtlicher Guide kann im Fahrzeug der Gäste mitfahren und die Stopps auf deren Interessen abstimmen. Dabei geht es um die Geschichte der Siedlung, die Lebensweise der Gemeinschaft und Besuche in ausgewählten Geschäften.
Gerade bei einem ersten Besuch kann eine solche Begleitung die Orientierung erleichtern und Fragen beantworten, die sich beim Blick auf einen Hof oder eine Werkstatt allein nicht klären lassen. Eine Tour ist auch ohne Guide möglich. Die offizielle Karte hilft dabei, passende Adressen zu finden; sie verzeichnet neben Amish-Betrieben auch weitere Angebote der Umgebung.

Die Route vorher zusammenstellen
Die interaktive Karte des Amish Trails enthält die aktuellen Einträge zu den Stationen. Ergänzend gibt es eine Broschüre mit Karte zum Herunterladen. Gedruckte Exemplare sind unter anderem in der Persia Town Hall in Gowanda und im Amish Trail Welcome Center im Gemeindegebäude von Randolph erhältlich.
Ein Blick auf die Karte lohnt sich auch für die Versorgung unterwegs. Tankstellen und öffentliche Toiletten liegen hier nicht an jeder Straßenecke. Manche Nebenstraßen haben keine sichtbaren Namensschilder. Eine vorbereitete Route und etwas Spielraum im Tagesplan sind deshalb praktischer als eine dicht getaktete Folge von Einkaufstopps.

Besuchen mit Rücksicht
Auf den Straßen begegnen Autofahrern langsam fahrende Pferdekutschen. Überholt werden sollte nur, wenn ausreichend Sicht und Platz vorhanden sind. Hupen kann die Pferde erschrecken. Beim Besuch eines Verkaufsraums gilt ebenso: Das Interesse der Gäste hebt die Grenzen zwischen Geschäft und Privatleben nicht auf.
Wohnbereiche und Familienveranstaltungen bleiben der Gemeinschaft vorbehalten. Besucher werden gebeten, Amish aus Respekt vor ihren religiösen Überzeugungen nicht zu fotografieren. Wer sich daran hält und die ausgewiesenen Geschäfte besucht, kann Handwerk und regionale Produkte kennenlernen, während der übrige Alltag der Familien privat bleibt.