Der Broadway in New York ist weit mehr als nur eine Straße – er ist das Herz der amerikanischen Theaterwelt und ein Symbol für kulturelle Vielfalt, Talent und Leidenschaft in den USA. Hier treffen preisgekrönte Musicals, beeindruckende Bühnenbilder und jahrhundertealte Tradition auf moderne Inszenierungen und internationale Stars. Ob Gänsehautmomente bei einer Show, ein Besuch im legendären Sardi’s oder ein Rundgang im Museum of Broadway – ein Besuch auf dem Great White Way ist ein unvergessliches Erlebnis.

Auf den ersten Blick scheint ein flächendeckender Stromausfall dem „The Great White Way“ seine Strahlkraft genommen zu haben. Die sonst so hell leuchtenden Anzeigen der vielen Theater sind: schwarz. Das, was dem Broadway in Midtown seinen Namen „großer weißer Weg“ verliehen hat, existiert in diesem Augenblick nicht. Doch das Szenario ist kein Grund zur Sorge, sondern vielmehr ein ganz besonderer Moment des Innehaltens. Bob Hoffmann, Vice President der The Broadway Collection und einer, der in der Musical-Welt zuhause ist, hat schon einige „dimming the light“-Rituale miterlebt. Diesmal werden die Lichter in Gedenken an die Broadway-Legende James Earl Jones „ausgeknipst“. Der mit zwei Tony Awards, dem Oscar der Musical-Welt, ausgezeichnete Schauspieler ist am 9. September 2024 verstorben und seine Kollegen zollen ihm in diesen Minuten Tribut. Erstmals fand das Dimmen der Lichter 1953 zu Ehren der Schauspielerin Gertrude Lawrence statt. Viele trauern schweigend, andere applaudieren und manch einer steht gerührt still, mit Tränen in den Augen und Erinnerungen im Herzen. Immer aber als Gemeinschaft, denn Broadway bedeutet auch Familie. Und die kommt an den Tischen eines ganz speziellen Restaurants zusammen.
Meet me at Sardi‘s
Herrlich zentral zu vielen der insgesamt 41 aktuell betriebenen Broadway-Theatern gelegen, ist 234 West 44th Street ist nicht nur die Adresse des Sardi’s Restaurant, sondern auch das Zuhause der Broadway-Szene. Ob Darsteller, Produzent, Komponist, Kritiker oder Musical-Fan, in der 1927 eröffneten Institution kommen sie alle zusammen und teilen ihre Leidenschaft für das Theater. Vor allem zur Mittagszeit haben die Kellner Zeit für einen kleinen Plausch. Geschichten um die Gäste gibt es viele. Über 1.200 kann man anhand ihrer Porträts, die hier deckenhoch an den Wänden hängen, identifizieren – darunter namhafte Showgrößen wie Bruce Willis, Bradley Cooper und Helen Mirren. Vincent Sardi, Sr., der gemeinsam mit seiner Frau das Etablissement ins Leben rief, beauftragte den Karikaturisten Alex Gard, um Theatergrößen zu zeichnen. Gards Bezahlung: eine freie Mahlzeit am Tag. Aktuell verantwortet Richard Baratz die Aufgabe, Broadway-Stars zu Papier zu bringen. Pro Jahr kreiert er rund 20 Karikaturen. Abends findet die Party im ersten Stock statt. Hier hat Bob Hofmann mit seinen „Familienmitgliedern“ das Glas auf James Earl Jones erhoben. Wer es – so wie der Charakterschauspieler – am Broadway geschafft hat, schafft es überall. Und umgekehrt. Das vielleicht größte Versprechen der Millionenmetropole.

Klein übt sich
Doch das mit dem Broadway-Ruhm ist eine verzwickte Sache. In MJ the Musical kommen auf der Bühne drei Generationen zusammen. Der „kleine“, „mittlere“ und erwachsene Michael Jackson. Die Show bringt die Vorbereitung der Dangerous World Tour des King of Pop im Jahr 1992 auf die Bühne. Genauso, wie die Dance Moves mitreißen und das einheimische und weit angereiste Publikum die Lieder textsicher mitsingt, wird auch die Traurigkeit und Einsamkeit des unvergessenen Ausnahmekünstlers im Neil Simon Theater thematisiert. Um in dem sogenannten Jukebox Musical mitspielen zu können, steht auch hier Verzicht auf der Tagesordnung. Abende im Sardi’s sind selten, denn die Stimme muss geschont werden, Pasta gibts nur im Ausnahmefall und überhaupt, mit Proben und teils zwei Vorstellungen am Tag bleibt wenig Freizeit. Austin Rankin und Eric Williams, die rotierend die Rolle des Little Michael in MJ the Musical spielen, bekommen mit gerade mal acht und dreizehn Jahren schon einen Einblick in die Welt, die vielen Erwachsenen lediglich vereinzelt, wenn nicht gar ganz verwehrt bleibt. Bereits mit 22 Jahren hat Maleah Joi Moon als Ali in der Rolle der jungen Alicia Keys im Musical Hell‘s Kitchen die Tony-Jury überzeugt: Für die Performance wurde Maleah mit dem Tony-Award als beste Darstellerin ausgezeichnet. Egal, ob der Traumberuf mit vier Jahren, dem Mindestalter, um am Broadway auftreten zu können, beginnt oder auch noch mit über 97 Jahren wie von Ruy de Carvalho aktiv ausgeübt wird, wer sich einmal für den Broadway – auf, hinter oder abseits der Bühne – entschieden hat, bleibt ihm mit großer Wahrscheinlichkeit treu. Um jeden Preis.

Eine Berufung fürs Leben
Wie viele andere, die den Traum von einem Theaterjob haben und sich bis zum Erfolg aber ihr Leben anderweitig finanzieren müssen, kellnerte auch Bob Hofmann zu seinen Studienzeiten im mexikanischen Restaurant Arriba Arriba. Bob hat es als Vice President der The Broadway Collection geschafft: Als Produzent war er der Bühne schon ganz, hat er sich dann aber doch für einen anderen Weg entschieden. Die Broadway Collection ist eine Kollektion aus Shows, die besonders gut für das internationale Publikum geeignet ist. Dass Bob und sein Team mit MJ the Musical ins Schwarze getroffen haben, beweist die Tatsache, dass die Show als MJ – Das Michael Jackson Musical ab Dezember 2024 auch in Hamburg aufgeführt wird. Ebenso wie & Juliet, das als & Julia bereits seit Oktober im Stage Operettenhaus Hamburg eine feste Größe ist. Broadway-Karrieren beginnen jedoch nicht immer auf der Bühne. Wer die üblicherweise lange Warteschlange vor Ellen’s Stardust Diner erfolgreich meistert, wird mit einer Show der anderen Art belohnt. Seit 1987 gilt das Restaurant als Wiege für den singenden und tanzenden Shownachwuchs – neben Pancakes, Burgern und Shakes wird hier tagtäglich von den sogenannten The Stardustern musikalische Unterhaltung geboten. Entertainment ist allerdings nicht erst seit den 1980er Jahren der Grund, warum Besucher – in der 2023/24 Saison rund 12,3 Millionen, davon knapp 70 Prozent aus aller Welt – ihre New York-Reise mit einer Broadway-Show verbinden. Bereits ein Jahrhundert vorher, ab den 1880er Jahren, gab man sich durchaus gerne der Verlockung des „Great White Way“ hin.

Von der offenen Flamme zur Leuchtreklame
Der große, weiße Weg – diesen Spitznamen erhielt der Broadway als Geburtsstätte der Leuchtreklame. Die Blocks zwischen der 41. und 53. Street und der Sixth und Ninth Avenue, die heutzutage den New Yorker Theaterdistrikt geographisch umfassen und die die namensgebende Straße durchquert, wurde vorerst ab den 1880er Jahre von Bogenlampen beleuchtet. 1895, als Oscar Hammerstein das Olympia Theatre im Longacre Square, dem späteren Times Square, eröffnete und es 1895 mit elektrischem Licht illuminierte, legte er den Grundstein für eine innovative Art, Passanten in die Theater zu locken. Flackernde Kerzen und rauchende Flammen wichen der Elektrizität, die nun auch die wachsende Zahl der Kulturinstitutionen von Innen erhellte. Die Unterhaltungsmeile war bereits von Weitem aufgrund ihres grellen, weißen Lichts, das sich wie ein Wolkenteppich in der Luft über die Theater legte, erkennbar – es wies den Weg ins Vergnügen und auch schon damals zu einer ganz besonderen Karriere. Die ganze Entwicklung des Theaterdistrikts in New York zeigt das Museum of Broadway im Detail.

Der Broadway unter einem Dach
Wer das Museum of Broadway betritt, wird auf eine mehrstöckige Reise durch die Musical-Welt mitgenommen. Von den Anfängen des „The Playhouse“ 1732 im südlichen Teil von Manhattan bis hin zu aktuellen Produktionen beheimatet die Kulturinstitution alles, was die New Yorker Theaterwelt ausmacht. Auf Nummer sicher geht man, wenn man mehrere Stunden für das Museum einplant, um den Schaukästen, Showrooms und interaktiven Orten zur Broadway-Geschichte und der verschiedenen Aufführungsformen, von Theaterstücken und Vaudeville über Revuen zu Musicals gebührend Aufmerksamkeit schenkt. Klassikern wie West Side Story, Phantom of the Opera, A Chorus Line und The Lion King werden zum Beispiel Räume mit Originalrequisiten und -kostümen sowie Set-Atmosphäre gewidmet. Auch ein gerahmtes Bild von James Earl Jones findet hier „in loving memory“ seinen Platz. Einen Blick hinter die Kulissen eröffnen die Räume, in denen Broadway-relevanten Berufe vorgestellt, die Entstehungsphasen einer Broadway-Produktion gezeigt und die Bedeutung der puerto-ricanischen Gemeinde hervorgehoben werden. Im Museum of Broadway wird klar, dass der große, weiße Weg Vieles ist und sein kann – vor allem aber eine Herzensangelegenheit, die Liebe, Leidenschaft und harte Arbeit erfordert.

Tipp: Unbedingt die Tickets vor der New York-Reise sichern. Nur so kann ein Besuch des Wunsch-Musicals und -datums und des besten Sitzplatzes garantiert werden. Alle Show-Infos und Buchung über www.broadwaycollection.com