Flusslandschaft im Kakadu-Nationalpark, Northern Territory Australien
Australien mal anders: Flusslandschaft im Kakadu-Nationalpark. © Gerhard von Kapff

Camper-Roadtrip durch das Northern Territory

Wasserfälle, Krokodile und Kultur: Eine unvergessliche Tour durch das grüne Herz des australischen Nordens – von Darwin über den Litchfield- bis zum Kakadu-Nationalpark.

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Erstellt von: Gerhard von Kapff

Australien mal anders: Statt roter Wüsten und endloser Steppe zeigt sich das Northern Territory im hohen Norden tropisch, grün und voller Leben. Wer zum Camper-Roadtrip von Darwin aus aufbricht, erlebt spektakuläre Wasserfälle, heiße Quellen, uralte Felsmalereien und die sagenhafte Ruhe des Outbacks. Die Route führt zu Naturwundern wie den Florence Falls, den Edith Falls und den Wetlands im Kakadu-Nationalpark. Und vielleicht angelt man unterwegs sogar den legendären „Million-Dollar-Fish“. Eine unvergessliche Reise durch das echte, wilde Australien.

Felsspalt mit Blick auf die weiten Landschaften des Kakadu-Nationalparks, Northern Territory Australien

Humor haben die Australier – oder ist es Ernst? Kaum in Darwin gelandet, behauptet der Fahrer zum Hotel, er sei vor kurzem noch Kultusminister des Northern Territory gewesen. Am nächsten Tag versucht eine Fremdenführerin den Reisenden weiszumachen, sie wäre einst zur ersten chinesischstämmigen Bürgermeisterin der Hauptstadt des Territoriums gewählt worden. Außerdem rät sie, bei einer zweiwöchigen Wohnmobil-Tour eine Angel mitzunehmen. Mit etwas Glück könne man den Eine-Million-Dollar-Fisch fangen. Ein weiterer Einheimischer erklärt, dass sich manche Gasthöfe auf dem Land Krokodile als Haustiere halten würden. Down Under ist das Land der Geschichtenerzähler. Oder ist am Ende alles wahr? 

Zwei Wochen lang führt die Tour ausschließlich durch den tropischen Teil des Northern Territory, also an die Nordspitze des fünften Kontinents. Genau dorthin, wo rote Erde nur auf unbefestigten Wegen zu sehen ist und trockenes Buschwerk, lichte Eukalyptuswälder, dichte Mangroven und Wasserfälle mit Badegumpen die Landschaft prägen. Wer ein Australien abseits der bekannten Klischees sucht, ist im sogenannten Top End genau richtig.Zwar bietet das Northern Territory mit dem heiligen Berg Uluru auch das spirituelle Herz Australiens. Doch die Wege sind weit. Knapp 2.000 Kilometer sind es mit dem Auto oder dem Camper von Darwin zum Uluru. Wer nur wenig Zeit hat, ist daher gut beraten, die nähere Umgebung zu erkunden. Zu sehen gibt es schließlich genug: Den Kakadu- und Litchfield-Nationalpark beispielsweise, das Arnhemland oder, etwas weiter im Süden, die Provinzstadt Katherine mit ihren heißen Quellen.

Litchfield-Nationalpark, Northern Territory Australien
Ein verwunschener Wanderweg durch den Regenwald im Litchfield-Nationalpark © Gerhard von Kapff

Darwin – Tropisches Tor zum Abenteuer

Darwin ist schon aufgrund des internationalen Flughafens und der guten Infrastruktur mit Mietwagenstationen, Supermärkten und Camping-Ausrüstern ein idealer Startpunkt für einen Roadtrip. Bei den Wohnmobil-Anbietern ist es wichtig, einen Blick auf die Internetbewertungen zu werfen. Seriöse Anbieter wie beispielsweise Maui verleihen sehr neue Modelle, andere mitunter aber schon recht abgerockte Camper mit hunderttausenden Kilometern auf dem Tacho. Da die Campingplätze oftmals über Bungalows verfügen, sind die Touren aber auch mit einem Miet-PKW machbar. 

Es lohnt sich, auch für Darwin ein paar Tage einzuplanen. In der mit 12.2000 Einwohnern größten Stadt des meist kurz NT genannten Northern Territory präsentieren Gemälde-Galerien die Aborigines-Kunst. Wer möchte, kann beim Tauchen in einem riesigen Glaszylinder Krokodile aus nächster Nähe beobachten oder zu einem Stadtbummel aufbrechen.

Darwin Northern Territory Murals
Auch morderne Straßenkunst gibt es in Darwin buchstäblich an jeder Ecke. @ Evelyn Narciso

Das im tropischen Baustil errichtete Parlamentsgebäude erinnert daran, dass die Geschichte der Fremdenführerin noch überprüft werden sollte. Hat sie geflunkert? Hat sie nicht: Katarina Fong Lim war von 2012 bis 2017 Oberbürgermeisterin von Darwin. Und der Fahrer des Hoteltransfers? Mark Monahan war bis vor einem Jahr der Kultusminister des NT und führt, wie er tags zuvor sagte, heute ein ruhiges Leben als Fahrer: „Schaut in mein Gesicht. Es geht mir richtig gut.“ Monagan wirkte so entspannt wie die meisten Menschen in Darwin. Hektik ensteht hier nur selten, und abends trifft man sich gern zu einem gemütlichen Picknick am Mindi-Beach.

Tumbling Waters ist ein idealer Anlaufpunkt, wenn man schnell hinaus in die Natur will, aber trotzdem nicht weit fahren möchte. Interessant ist dort der weitgehend naturbelassene Blackmore-Fluss und die heißen Quellen nahe des Holiday-Park-Campingplatzes. Das hübsche Camp gleicht einem einzigen Palmengarten und liegt nur gut 50 Kilometer von Darwin entfernt. 

Naturparadies Litchfield Nationalpark

Von hier aus führt eine Nebenstraße direkt in den tropischen Litchfield-Park. Bäche und Flüsse haben im Laufe der Jahrtausende tiefe Schluchten und Badegumpen in den Sandstein gegraben. Hohe Wasserfälle wie die Florence Falls ergießen sich in große Becken und sorgen inmitten des tropischen Regenwaldes für eine bizarre Szenerie. Das Bukey Rockhole wird dagegen von einem Bach gespeist, der sich durch etliche größere und kleinere Naturpools im Monsunwald zieht und gefahrloses Baden ermöglicht. Sobald in den Nationalparks die Möglichkeit besteht, dass sich Krokodile in der Nähe aufhalten, sperren die Parkranger die Zugänge mit hohen Baugittern. Scott Hannaford, der seit Jahren Touristen durch das NT führt, erklärt zwar, „dass Süßwasserkrokodile meist flüchten.“ Darauf verlassen sollte man sich aber nicht. Abgesehen davon kommen auch im Süßwasser manchmal die wirklich aggressiven Salzwasserkrokodile vor.

Buley Rockhole, Litchfield-Nationalpark, Northern Territory Australien
Im Buley Rockhole ist das Schwimmen nicht nur gestattet, sondern auch eine große Empfehlung. © Gerhard von Kapff

Heiße Quellen und Felslandschaften rund um Katherine

Wer von Darwin aus die Rundtour durch den tropischen Teil des NT unternimmt, sollte nach dem Litchfield-Nationalpark gleich weiter in Richtung Katherine fahren. Die heißen Quellen der Stadt direkt unterhalb des Riverview-Tourist-Village-Campingplatzes sind zwar nicht so heiß wie vermutet. Aber das ist bei 30 Grad Lufttemperatur auch gar nicht nötig. Der Reiz liegt vielmehr in der zauberhaften Abfolge von Bachläufen, Naturpools und Schwimmbereichen, die die Natur inmitten eines Wäldchens geschaffen hat. Zwischen Eukalyptusbäumen, Felsen und Sträuchern kann man sich gut 50 Meter weit durch dieses kleine Paradies treiben lassen.

Auf dem Weg zurück in Richtung Norden und zum Kakadu-Nationalpark weist nach knapp einer Stunde der Wegweiser in Richtung Edith Falls. Schon der große See mit seinem Wasserfall ist sehenswert. Macht man sich aber die Mühe, mit gutem Schuhwerk den teils felsigen Weg zum Middle-Pool, dem mittleren Becken, hinaufzusteigen, ist die Landschaft in ihrer ganzen Schönheit überwältigend. Ein Wasserfall ergießt sich in einen gut 80 Meter breiten Kessel, in dem sich ein See, eine große Insel und einige kleine, mit Palmen bewachsene Inselchen befinden. Über etliche Kanälchen und flache Felsen läuft das Wasser ab, bündelt sich zu einem weiteren Wasserfall und stürzt 20 Meter tief in ein Becken. Dass die Fotos von diesem schönsten Bereich der Edith Falls, egal aus welcher Perspektive, eigenartigerweise nicht mit der Realität mithalten können, ist vielleicht sogar von Vorteil. Schließlich hat heute alles, was nicht „instagrammable“ ist, gute Chancen, nicht von Menschenmassen überrannt zu werden.

Wasserfall, Edith Falls, Northern Territory, Australien
Eine absolute Traumlandschaft – inklusive Wasserfall. © Gerhard von Kapff

Faszination Kakadu-Nationalpark

Knapp zwei Fahrstunden von den Edith Falls entfernt beginnt der Kakadu-Nationalpark. Faszinierend sind für Besucher vor allem die Felsmalereien der Ureinwohner, die zu den besterhaltenen des ganzen Kontinents zählen. Sie zieren Felswände in der gesamten Region. „Wenn man alle sehen wollte,“ sagt einer der Führer, der im Freigelände des Nourlangie Art Side Walks die Details erklärt: „würde ein Leben nicht ausreichen.“ Bis zu 20.000 Jahre alt sollen die ältesten Zeichnungen sein.

Es bietet sich an, mehr als zwei Nächte im Kakadu-Nationalpark einzuplanen. Denn nur von hier aus ist es möglich, ins Arnhem-Land zu gelangen, in dem die Yolngu-Aborigines noch sehr traditionell leben. Der einzige Zugang ist die Cahills Crossing, eine durch YouTube bekannt gewordene, legendäre Furt, an und in der meist etliche Krokodile schwimmen. Sie kann nur bei Niedrigwasser durchfahren werden. Wer es bei hohem Wasserstand dennoch versucht, bleibt mitten im Fluss stehen – oder landet mit etwas Pech mit seinem Auto in den Krokodil verseuchten, tosenden Wassermassen. 

Krokodil, Yellow Waters im Kakadu-Nationalpark, Northern Territory, Australien
Krokodil in den Yellow Waters im Kakadu-Nationalpark © Gerhard von Kapff

Einer der größten landschaftlichen Höhepunkte des Parks sind die Yellow Water Wetlands, weitläufige Feuchtgebiete, die sich ständig verändern und ein Paradies für Vögel und Wassertiere sind. Wer die einzigartige Erfahrung machen möchte, den Tagesanbruch bei einer Bootsfahrt in den Wetlands zu erleben, muss früh aufstehen. Kraniche und Kakadus begrüßen den Sonnenaufgang, langsam schwindet das nächtliche Grau, und das Spiel der erwachenden Farben zaubert ein völlig neues Bild in die weite Fluss- und Sumpflandschaft. Mit etwas Glück schwimmt ein Krokodil dem Boot entgegen, Auge in Auge, und dann nur drei, vier Meter daran vorbei.

Kakadu-Nationalpark, Boot, Yellow Waters
Ein Must-Do im Kakadu-Nationalpark: Ein Fahrt mit dem Boot auf den Yellow Waters. © Gerhard von Kapff

Weniger Glück als dieses frei lebende Reptil hatte das noch junge Krokodil im Bark Hut Inn-Pub auf dem Rückweg in Richtung Darwin. Es fristet sein trostloses Leben als Haustier in einem Terrarium im Nebenraum des Restaurants. Krokodile als Haustiere – auch das ist offensichtlich keine Mär. 

Ein Roadtrip voller Geschichten – und vielleicht ein Million-Dollar-Fisch

Vor der Rückkehr nach Darwin bliebe somit nur noch zu hinterfragen, was an der Geschichte des „Million-Dollar-Fischs“ dran ist. Das Ergebnis ist keine Überraschung mehr: Es gibt tatsächlich einen jährlichen Wettbewerb, bei dem 100 Fische der Raubfischart Barramundi markiert und in den Flüssen der Region ausgesetzt werden. Wer nach seiner Registrierung einen der zehn „Million-Dollar-Fische“ angelt, kassiert umgerechnet 570.000 Euro. Von wegen ein Land der Geschichtenerzähler!

Das Northern Territory kompakt

Anreise: Es gibt momentan keinen Non-Stop-Flug von Deutschland nach Darwin. Flugbeispiel: Singapore Airlines fliegt mit Zwischenstopp über Singapur nach Darwin ab 1.300 €. Tipp: Im Falle eines mehr als fünfstündigen Aufenthaltes tagsüber bietet Singapur eine kostenlose Stadtführung an.

Einreise und Visum: Ein kostenloses Touristenvisum, das online beantragt werden kann, ist für die Einreise notwendig.

Essen und Trinken: Getränke kosten in Darwin etwa 20 Prozent mehr als in Deutschland. Die Essenspreise in den Restaurants sind etwa gleich, teils etwas günstiger. Burger, viel Fleisch, Krokodil, Känguruh und auch der regionale Fisch Barramundi stehen fast immer auf den Speisekarten.

Miet-Wohnmobil: Die deutschsprachige Webseite Camperdays.de vermietet  Camper jeder Preisklasse und Größe. Bewährt hat sich das Modell Maui Ultima, das mit Dusche und Toilette je nach Buchungszeitraum 85-150 € pro Tag kostet. In diesem Fall kostenlose Stornierung und freie Kilometer inklusive. camperdays.de

Camperdays Northern Territory Australien
Bestens ausgestattet: Mietcamper mit Auszugsgrill und angebautem Tisch. © Gerhard von Kapff

Weitere Infos: Die deutschsprachige Webseite des NT ist sehr informativ und für eine detaillierte Reiseplanung geeignet. northernterritory.com/de/de. 

Im Falle einer Übernachtung vor der Wohnmobil-Übernahme in Darwin wäre das H on Mitchell Street (Studios und Pool) ab 157 € im DZ für zwei Personen eine Option. h105mitchell.com.au.

Reiseführer: Der Australien-Reiseführer aus dem Stefan Loose-Verlag ist kompakt und gut (27,95 €). Etwas informativer und ausführlicher ist der Lonely Planet Australien (29,95 €).


Anmerkung der Redaktion: Diese Reise wurde unterstützt vom Northern Territory in Australien und dem Wohnmobilverleiher Camperdays.

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