Blick auf die Pitons. ©Ann-Christin Baßin

St. Lucia: exotische Abenteuer und luxuriöse Erholung

St. Lucia ist die Perle der Karibik, die unglaublich viel bietet. Unsere Autorin surrte durch die Luft und ging auf dem Meeresboden spazieren. Und natürlich genoss sie die karibische Küche und fand Gefallen an der schokoladige Handwerkskunst.

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Erstellt von: Ann-Christin Baßin

Die Insel empfängt uns nach einem neunstündigen Flug von London Gatwick grau und verhangen. Beim Aussteigen aus dem Flugzeug am Hewanorra Airport umfängt uns die warme Luft von 30°C. Es dauert einen Moment, bis wir uns an die Temperatur gewöhnt hat. Aber dann steigt die Vorfreude, St. Lucia, die Perle der Karibik, zu erkunden! 

Vom Flughafen im Süden der Insel geht es mit dem Van über den Micoud Highway nahe an der rauen, zerklüfteten Ostküste entlang bis zu dem Fischerdorf Dennery. Kurz dahinter biegt die Hauptstraße ab ins Landesinnere. Nach nur wenigen Hundert Metern beginnt bereits das dichte Grün des Regenwalds, das mehr als ein Drittel der Insel bedeckt. Die schmale, holprige Straße führt nun quer rüber zur romantischen Westküste nach Castries, St. Lucia Hauptstadt. Der Karibikurlaub der Hochglanz-Reisekataloge findet nämlich auf dieser Seite der Insel statt. 

 

Karibische Romantik: Segler im Vordergrund und die Pitons im Hintergrund. ©Ann-Christin Baßin

Unser erstes Hotel StolenTime by Rendezvous liegt im Herzen einer alten Kokosnussplantage an der Nordwestküste von St. Lucia. Kein Wunder, dass das Gelände voller Palmen und malerischer Gärten ist. Mittendrin steht ein 150 Jahre alter Regenbaum, der nachts beleuchtet wird. Alles in diesem romantischen All-Inclusive-Hotel nur für Erwachsene ist auf Erholung und Wellness ausgerichtet. Es gibt einen langen, ruhigen Strand, zwei Swimmingpools, einer davon schlängelt sich wie ein Fluss an üppigem Grün und Whirlpools vorbei. Das Spa verfügt über drei Behandlungsräume, in denen eine Vielzahl von Massagen und Therapien angeboten werden. Das Sportangebot ist ebenfalls vielfältig: Wasserski, Kajakfahren, Paddleboarding, Tauchen, Tennis, Bogenschießen, Yoga, Tanz. Ich bin in der stilvollen Veranda Suite mit Blick auf den Garten untergebracht. Sie hat eine große Terrasse, ein Doppelbett und eine freistehende Badewanne sowie eine Dusche im großen Badezimmer. 

Mit den Zehen im Sand und Wellenrauschen
im Ohr genießen wir das erste Dinner.
Und dann waren da noch die Pfeiffrösche.“

Mit Einbruch der Dunkelheit lerne ich am ersten Abend den Sound der Karibik kennen: Die männlichen Antillen-Pfeiffrösche versuchen mit ihrem „Gesang“ paarungswillige Weibchen anzulocken – bis zum Morgengrauen. Wir genießen derweil unser kreolisches Dinner im Strandrestaurant Malabar mit fangfrischem Fisch und Hummer bei Kerzenschein. Mit den Zehen im Sand und dem Rauschen des Ozeans im Ohr. Der perfekte Auftakt für unbeschwerte Urlaubstage!

Spaziergang auf dem Meeresgrund

Am nächsten Tag erwartet uns das erste Abenteuer: Auf Pigeon Island, dem Nationalpark ganz im Norden, unternehmen wir einen Spaziergang auf dem Meeresgrund. Dazu empfängt uns Anthony Leonce, ein Muskelpaket in Neopren mit kräftigem Händedruck, der sofort signalisiert: „Auf mich kannst du dich verlassen!“ Nachdem unsere Reisegruppe ein Haftungsausschluss-Formular unterzeichnet hat, setzt uns Anthony – im Wasser stehend – einen massiven, über 30 kg schweren SeaTREK-Helm auf die Schulter. Unter Wasser wiegt das Monstrum mit Belüftung zum Glück nur noch die Hälfte! Anschließend geht es Schritt für Schritt voran, bis auf acht Meter unter dem Meeresspiegel. Leitungen am Helm versorgen uns über schwimmende Pods mit dem nötigen Sauerstoff. 

Abenteuer: Auf Pigeon Island, dem Nationalpark ganz im Norden, kann man einen Spaziergang auf dem Meeresgrund unternehmen. ©Ann-Christin Baßin

Die anfängliche Unsicherheit weicht bald einer großen Neugier, denn hier gibt es einiges zu entdecken: Uns umkreisen viele kleine, bunte Fische und Seegurken. Wir entdecken Weichkorallen und einen Hummer, der eilig unter einen großen Stein flüchtet. Schade, dass der Spaziergang nach 30 Minuten schon zu Ende ist! 

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Gegen den plötzlichen Hunger hilft ein Roti im nahegelegenen Strandrestaurant „Jambe de Bois“ mit Mobiliar aus Treibholz und einem Traumblick auf die Rodney Bay. Roti ist eine Art indischer Strudelteig, gefüllt mit Gemüsecurry und Huhn oder Fisch. Sehr lecker!  

St. Lucia ist seit 1979 ein unabhängiger Inselstaat und gehört zu den Kleinen Antillen. Die Insel ist sehr bergig, bewaldet und vulkanischen Ursprungs. Amtssprache ist Englisch. Mit 616 Quadratkilometern Fläche ist St. Lucia kleiner als Hamburg und zählt somit zu den kleinsten Staaten der Welt. 

Dennoch war die Insel stets sehr begehrt. Das zeigt ihre bewegte Vergangenheit: 150 Jahre lang hauten sich hier die Franzosen und die Engländer die Köppe ein und das Eiland wechselte 14-mal zwischen den Kolonialherren hin und her. Davon zeugt das britische Fort Rodney. Die historische Festung aus dem 18. Jahrhundert mit alten Kanonen und Rundumblick liegt auf einer Anhöhe auf Pigeon Island. Als St. Lucia 1814 im Vertrag von Paris schließlich den Engländern zugesprochen wurde, hatten die kriegerischen Auseinandersetzungen endlich ein Ende. 

Ein Rastafari aus Wales als Chefkoch

Hinter Pigeon Island beginnt das sechs Quadratkilometer große Gelände von Cap Estate, eine der teuersten und vornehmsten Gegenden von St. Lucia. Hier liegen einige der exklusivsten Hotels, ein Golf Course, das Derek Walcott Theater und die Studios des Malers Llewellyn Xavier. Die beiden Männer zählen zu den berühmtesten Söhnen der Insel: Der Schriftsteller Derek Walcott erhielt 1992 den Literatur-Nobelpreis und starb 2017. Der Maler Llewellyn Xavier (78) erfreut sich bester Gesundheit und führt Gäste nach vorheriger Anmeldung gern durch sein Haus. Mit 15 Jahren hatte der Künstler die Insel verlassen, um in die Welt zu ziehen. „Da gab es hier noch gar nichts“, erinnert er sich in seiner schneeweißen Villa, die hoch oben auf einem Hügel thront. 1987 kehrte er nach St. Lucia zurück und lernte hier seine spätere Frau Christina kennen. Llewellyn Xavier malt vor Temperament nur so strotzende abstrakte Bilder, die in den berühmtesten Museen der Welt hängen, z. B. im Metropolitan Museum und im Museum of Modern Art in New York sowie im Londoner Victoria und Albert Museum. Nachdem Llewellyn für uns das Nationalgetränk, einen kräftigen Gewürzrum mit vielen Früchten, zubereitet hat, zeigt er uns sein Atelier. Schade, dass mir für seine plastischen Werke das nötige Kleingeld fehlt.

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Fine Dining im Open-Air-Restaurant The Cliff at Cap. Chefkoch Craig Jones kocht klassisch französisch mit karibischem Einschlag. ©Ann-Christin Baßin

Zum Abendessen erwartet uns Hotelmanager Ross Stevenson vom Cap Maison Resort & Spa in Cap Estate. Die Anlage aus weiß getünchten Villen im spanischen Stil und einer gepflegten Gartenanlage hat ein spektakuläres Open-Air-Restaurant: The Cliff at Cap, das hoch auf einer Klippe über der Brandung liegt und einen weiten Blick aufs Meer und den Smugglers Beach gewährt. Chefkoch in diesem Luxusrestaurant ist Craig Jones, ein weißer Rastafari und ehemaliger Wrestler aus Wales, der allerdings schon seit 27 Jahren auf St. Lucia lebt. „Wir kochen klassisch französisch mit karibischem Einschlag“, berichtet er. Zu den charakteristischen Gerichten des Restaurants gehören der in Butter pochierte karibische Hummer mit Mascarpone-Gnocchi und Parmesan-Tuile sowie Thunfisch in drei Variationen. Ein Fest für die Sinne – auch, weil ich in der Küche schon mal in die Töpfe gucken durfte. Craig ist immer noch gut in Form, vor allem sein hoher Turban, unter dem er seine üppige Haarpracht versteckt, fällt ins Auge. Der Weinkeller des Restaurants wird von Gourmets hochgelobt, ansonsten löscht man seinen Durst auf der Insel eher mit dem lokal gebrauten Piton-Bier oder mit Rumgetränken. 

Mit Karacho und Gejohle durch den Urwald

Das größte Touristenprojekt der letzten Jahre auf St. Lucia: eine Seilrutsche in den Wipfeln des Regenwaldes. ©Ann-Christin Baßin

Das nächste Highlight führt uns ins Landesinnere nach Babonneau. Hier wartet das größte Touristenprojekt der letzten Jahre auf seine Besucher: eine Rainforest Aerial Tram und eine Seilrutsche in den Wipfeln des Regenwaldes. Insgesamt gibt es drei Ziplining-Stationen auf der Insel. Menschen sollen hier lernen, wie wichtig der Regenwald ist. Unsere Naturkundeführerin Melissa weist uns auf verschiedene Kolibri-Arten, Echsen, wilde Vanille, Lianen, Orchideen und einige der über 100 Heilpflanzen hin. Die berühmte, aber selten gewordene Blaumaskenamazone kriegen wir leider nicht zu Gesicht. Im Regenwald ist es überraschend still. Zuerst schwebt man mit einer offenen Gondel für neun Personen durch alle „Etagen“ des Waldes und hält in 40 Metern Höhe Ausschau nach Geschöpfen, die nie auf den Waldboden herabsteigen. Später rauscht man, nur mit einem daumendicken Drahtseil an mehreren Karabinerhaken gesichert, über tiefgrüne Abgründe, Beine voraus, Hände am Griff, von einer der acht Plattformen zur nächsten. Jetzt hallen Schreie durch den Urwald. Aber es sind keine Angst-, sondern pure Freudenschreie wie auf der Achterbahn! Ziplining ist ein tolles Erlebnis, das anfangs jedoch etwas Überwindung kostet. 

Highlight für Party-Animals

Vor drei Jahrzehnten hatten die Bewohner die Idee, eine große Open-Air-Party zu feiern. Noch heute gibt es jeden Freitag den Friday Night Jump-up. ©Ann-Christin Baßin

Jeden Freitagabend verwandelt sich das Gebiet rund um die Dauphin Street in Gros Islet im äußersten Norden in die größte Open-Air-Party der Insel – den Friday Night Jump-up. Die Idee kam den Bewohnern vor drei Jahrzehnten selbst. Das beliebteste Getränk ist der Gewürzrum z. B. mit Berberitze, Ingwer, Zimt oder Chili. Er wird aus Dreiliterflaschen ausgeschenkt und soll wahre Wunder wirken. Fast jede Familie hat ihr eigenes Rezept. Nach Sonnenuntergang füllen sich die Straßen und an ihren Rändern werden Buden mit Getränken, Souvenirs, Eis oder Open-Air-Küchen aufgebaut. Es duftet herrlich nach frischem Fisch vom Grill, Hühnchen oder Spareribs. Hier steppt bis zum Morgengrauen der Bär und Alt und Jung, Touristen und Einheimische tanzen auf der Straße zu Reggae-Riddims und Soca-Klängen aus Riesenlautsprechern.

Samstagmorgens lohnt ein Marktbesuch in der Inselhauptstadt Castries. Über 300 Händler bieten Obst, Gemüse, Fleisch, Fisch, Gewürze, Kräuter sowie einheimisches Kunsthandwerk an. Im nahegelegenen Tiefseehafen ankern die großen Kreuzfahrtschiffe. 

Skipper Mario von „Captain Mike’s“ schippert uns mit seinem Motorboot von Castries in die Marigot Bay. ©Ann-Christin Baßin

Südlich davon, in der Marigot Bay, befindet sich der romantischste Strand der Insel und einer der schönsten Yachthäfen der Karibik. Hier wurden zahlreiche Hollywood-Filme gedreht. Die Bucht erreicht man am besten per Boot. Das wollen wir uns nicht entgehen lassen! Skipper Mario von „Captain Mike’s“ schippert uns mit seinem Motorboot von Castries in die schmale, von hohen Bergrücken geschützte Bucht, wo wir uns einen Drink gönnen und den Blick auf teure Segelyachten und prunkvolle Villen am Hang genießen. Zwischen Oktober und Februar kann man vor der Marigot Bay Wale beobachten, die hier ihren Nachwuchs zur Welt bringen. Davon ist diesmal leider nichts zu sehen, stattdessen ziehen über uns Dutzende Fregattvögel majestätisch ihre Kreise. Doch am nächsten Abend werden wir belohnt: Wir starten mit einer 15-Meter-Segelyacht von der wunderschön gelegenen Hotelanlage Anse Chastanet bei Soufrière zu einer Sunset Cruise mit Dinner an Bord. Und auf einmal taucht neben dem Schiff eine Schule von Delfinen auf. Sensationell und unvergesslich!

Eine Straße in Sofriere. Immer, wenn die Franzosen das Sagen hatten, war die Stadt die Hauptstadt von St. Lucia. ©Ann-Christin Baßin

Soufrière war die erste französische Siedlung auf der Insel und immer Hauptstadt, wenn die Franzosen auf St. Lucia das Sagen hatten. Das malerisch verlotterte Städtchen im Süden hat sich viel französisches und karibisches Flair erhalten. Die bunten Holzhäuschen aus der Kolonialzeit sind ein schönes Fotomotiv. Hühner und Hunde laufen auf den Straßen herum, einige Bettler versuchen Touristen etwas Geld zu entlocken. An der Strandpromenade entwirren Fischer plaudernd ihre Netze, während Frauen tropische Früchte verkaufen. Hier zeigt sich der ungeschminkte Inselalltag, abseits der teuren Luxusresorts.

Wahrzeichen von St. Lucia sind die beiden spektakulären Piton-Zwillingsberge an der Südwestküste, die schon von Weitem sichtbar majestätisch in den Himmel ragen und nach denen auch das lokale Bier benannt ist. Die erloschenen Vulkane Petit Piton (743 m) und Gros Piton (770 m) steigen hier steil aus dem Meer auf, sind bis hoch hinauf bewaldet und können bestiegen werden. Genau das haben wir vor, um uns einen Überblick zu verschaffen. Das Erklimmen des Gros Piton mit Führer dauert gut zwei Stunden. Man sollte festes Schuhwerk tragen, ausreichend Wasser mitnehmen sowie an eine Kopfbedeckung und Sonnenbrille denken. Der erste Teil der Strecke ist auch für Ungeübte locker zu bewältigen. Die zweite Hälfte ist eher etwas für sportliche Naturen, denn der Weg ist teilweise recht steil und führt über große Felsbrocken. Doch es gibt auf St. Lucia auch zahlreiche Wanderwege mit geringerem Schwierigkeitsgrad. Wer eher fürs Radfahren ist, schnappt sich ein Mountainbike und saust über die Pisten der Insel. 

Ein Paradies für Schoko-Fans

Auf der ältesten Kakao-Plantage von St. Lucia erfährt man alles über den Anbau der Kakao-Bohnen. ©Ann-Christin Baßin

Die älteste Kakao-Plantage der Insel von 1745 liegt gleich gegenüber des Vulkankegels Petit Piton. Ein Dorado für Schoko-Fans! Auf einem sechs Hektar großen Gelände auf Rabot Estate kann man beim Project Chocolat ab 60 Euro ein „Tree-to-Bar“-Erlebnis (Vom Baum zur Tafel) buchen, selbst Schokolade herstellen und alles über den Kakaoanbau erfahren. Ein Schokoladen-Shop, ein Edel-Imbiss und ein Terrassenrestaurant mit kreativen Kakao-Gerichten und sensationellem Blick auf den Petit Piton runden das Angebot ab.

Die erste selbst hergestellte Tafel Schokolade von unserer Autorin. ©Ann-Christin Baßin

Ein Stück außerhalb von Soufrière liegt ein Vulkan-Krater mit Schwefelquellen, den Sulphur Springs. Er ist nicht zu verfehlen, stinkt er doch kilometerweit wie faule Eier. Dort sieht es aus wie in einer Mondlandschaft. Überall brodeln und blubbern die Schlammlöcher und stoßen stinkenden Dampf aus. Die Tümpel sind bis zu zwölf Meter tief und bis zu 170 °C heiß und zeugen vom schlafenden Vulkan unter St. Lucia. Am Eingang lädt ein natürliches Spa zur Verjüngungskur ein: Man kann die Treppe heruntersteigen und in Badeklamotten ein wohltuendes mineralisches Schlammbad in der geothermischen Quelle genießen. Nach der Schlammbehandlung zum Selbermachen können die Besucher zu einem nahegelegenen Wasserfall aufbrechen und den Schlamm bei einem erfrischenden Bad wieder loswerden. St. Lucia bietet unglaublich viel und ist ganzjährig eine Reise wert! Auch wenn es heißt, die beste Reisezeit sei zwischen November und April. Auf der tropischen Insel kann man prima die Seele baumeln lassen, wenn das Wetter in Deutschland mal wieder grauen Himmel und kalte, regnerische Tage zu bieten hat.