Ury Steinweg, CEO bei Gebeco ©Gebeco

Interview mit Ury Steinweg

Der Mann hinter Gebeco, der aus Leidenschaft für Kulturen Reisebrücken schlägt

Erstellt von: Robert Bebic
Erstellt von: Robert Bebic

Er habe seine Tätigkeit nie als Arbeit gesehen, sagt Ury Steinweg. Aus der Leidenschaft für andere Menschen und Kulturen gründete er 1978 den Studienreiseveranstalter Gebeco (Gesellschaft für internationale Begegnung und Cooperation). Heute noch ist er dessen Geschäftsführer. Es mache ihm immer Freude, Reisen zu organisieren und mit Menschen umzugehen und er sei neugierig auf Kulturen. Es sind die persönlichen Kontakte und Begegnungen mit anderen Menschen, die zu einem gegenseitigen Verständnis führen. Reisen können Brücken schlagen, ist sich der Gebeco-Chef sicher. Jedem Reisenden gibt er den Ratschlag, sich Zeit zu nehmen, andere Menschen zu respektieren: Der Austausch sei wichtig. Gebeco steht seit der Gründung für Völkerverständigung und verantwortungsbewusstes Handeln.

In unserem Interview erklärt Ury Steinweg den Erfolg von Gebeco.

1.

Wie hat Ihre persönliche Leidenschaft für das Reisen zur Gründung von Gebeco beigetragen und wie spiegelt sich das in den Angeboten Ihres Unternehmens wider?

Die Neugier auf andere Kulturen und das Verständnis dafür, wie das friedliche Zusammenleben der Menschen funktioniert, haben mich dazu motiviert zu reisen. Damals herrschte noch der Kalte Krieg und die Welt war in den Ost- und Westblock gespalten. Zudem war mir bewusst, dass die Ressourcen auf der Welt begrenzt sind und ein „Weiter so“ nicht nachhaltig ist. Die Veröffentlichungen des „Club of Rome“ verdeutlichten dies.

Die Überwindung des Ost-West-Konflikts und der atomaren Aufrüstung war das dringendste Problem. Von Anfang an hatte Gebeco den Anspruch, Brücken zwischen den Völkern zu schlagen. Das Reisen mit persönlichen Begegnungen und dem Austausch zwischen den Menschen wurde zu einem wichtigen Bestandteil unserer Reisen.

Die Überwindung des Ost-West-Konflikts ©Irina Grotkjaer

2.

Welche Aspekte des Reisens haben Ihrer Meinung nach den größten Einfluss auf das persönliche Wachstum und die Perspektivenerweiterung Ihrer Gäste? Wie versucht Gebeco, diese Elemente in ihre Reisen zu integrieren?

Die persönliche Begegnung mit Menschen aus anderen Kulturen erweitert den eigenen Horizont erheblich. Durch persönliche Kontakte und das Wissen über den Anderen entstehen Bindungen und Verständnis, was wiederum die Toleranz und Verbindung fördert. Ein Land, das man besucht hat und in dem man Menschen kennt, gewinnt an Bedeutung und man verfolgt dieses beispielsweise auch aktiver in den Nachrichten. Länder, über die man wenig weiß und zu denen man keinen Kontakt hat, bleiben oft eher gleichgültig.

Während des Reisens spielt die Reiseleitung eine äußerst wichtige Rolle in der Gruppe. Sie knüpft Kontakte zur einheimischen Bevölkerung und vermittelt Hintergrundinformationen, ohne dabei zu moralisieren. Gebeco sucht für ihre Reisen qualifizierte Reiseleiter*innen, die regelmäßig geschult werden. Diese übernehmen neben organisatorischen und gruppendynamischen Aufgaben vor allem die Funktion eines Vermittlers. Dennoch darf ein Aspekt des Reisens nicht vernachlässigt werden: gemeinsam Spaß in der Gruppe zu haben. Daher sollte die Gruppe gemeinsame Ziele und ein gemeinsames Verständnis haben. Das Stillen der Neugierde auf fremde Kulturen und gleichzeitig gemeinsam Spaß zu haben, sind die wichtigsten Aspekte unserer Art des Reisens.

Die persönliche Begegnung mit Menschen aus anderen Kulturen erweitert den eigenen Horizont ©Gyan Shahane

3.

Wie hat sich Ihre Sicht auf das Reisen im Laufe der Jahre, in denen Sie Gebeco geleitet haben, verändert? Gibt es bestimmte Erfahrungen oder Lektionen, die besonders prägend für Sie waren?

Die größte Veränderung ereignete sich durch den Zusammenbruch der Sowjetunion und durch das Ende des Kalten Krieges. Es war eine der einschneidendsten Erfahrungen, die ich gemacht habe. Gleichzeitig öffnete sich China und Gebeco betrat den chinesischen Tourismusmarkt. Gebeco entwickelte sich zum größten Chinaveranstalter Europas und etablierte die erste offizielle Chinarepräsentanz. Auch hier zeigte sich die bedeutende Rolle des Tourismus als verbindendes Element zwischen den Völkern und die besondere Art des Reisens, wie sie Gebeco anbietet.

Neben den Aspekten der kulturellen Brückenbildung und der Wertschöpfung in den Zielgebieten gewinnen auch ökologische Gesichtspunkte zunehmend an Bedeutung. Bereits 2011 führte dies zur Nachhaltigkeitszertifizierung von Gebeco durch TourCert.

Persönlich enttäuscht bin ich immer wieder von den verschiedenen Rückschlägen im Demokratisierungsprozess, wie beispielsweise das Tian’anmen-Massaker in China im Jahr 1989, der Aggressionskrieg Russlands gegen die Ukraine oder antidemokratische Bewegungen sowohl in Deutschland als auch in der EU. Dennoch werden Gebeco und ich immer wieder versuchen, Brücken auch zu Ländern zu bauen, deren politisches System wir nicht unterstützen.

Video:

Die Gebeco Erlebnisreisen in 30 Sekunden

4.

Wie stellen Sie sicher, dass die Reisen, die Gebeco anbietet, sowohl für die Reisenden als auch für die lokalen Gemeinschaften, die besucht werden, vorteilhaft sind? Welche Rolle spielt nachhaltiger Tourismus in Ihrer Unternehmensphilosophie?

Die Nachhaltigkeit ist ein grundlegender Bestandteil unserer Unternehmensphilosophie und war von Anfang an auch im Namen verankert. Gebeco steht für „Gesellschaft für internationale Begegnung und Cooperation“. Die Nachhaltigkeit von Gebeco ist durch TourCert zertifiziert. Wir messen die Nachhaltigkeit in vielen Bereichen und deren Entwicklung anhand von Kennzahlen, die dann mit definierten Zielen verglichen werden. Darüber hinaus fördert Gebeco verschiedene Projekte, wie zum Beispiel die Unterstützung einer Khwe Gemeinde in Namibia. Auf diese Weise möchten wir unseren Gastländern auch etwas zurückgeben.

Eine Khwe Gemeinde in Namibia ©Datingscout

5.

Welchen Rat würden Sie jemandem geben, der versucht, aus seinen Reisen das Beste herauszuholen, sowohl in Bezug auf die persönliche Bereicherung als auch auf einen positiven Einfluss auf die Orte, die besucht werden?

Mein Ratschlag lautet: Nimm dir Zeit, um mit den Menschen in Kontakt zu treten und sie zu verstehen. Respektiere ihr Recht, ihr Leben entsprechend ihrer eigenen Werte zu leben, und versuche nicht, ihnen deine Vorstellungen aufzudrängen. Der Austausch von Informationen sollte stattfinden, aber Belehrung sollte vermieden werden.

©MOHD HAFIZ YAHYA