Die ITB Berlin 2025 hat erneut gezeigt, warum sie die weltweit führende Messe der Reisebranche ist. Unter dem Motto „The Power of Transition lives here“ standen Nachhaltigkeit, Künstliche Intelligenz und der Wandel in der Arbeitswelt im Mittelpunkt. Wir sprachen mit ITB Leiterin Deborah Rother über Trends in der Reisebranche und stellten ihr unsere 5 Questions. Sie erklärt, wieos besonders die neuen Formate wie die ITB Transition Labs und der Corporate Culture Clash Track wertvolle Einblicke in Zukunftsthemen der Tourismusbranche bieten. Mit innovativen Travel-Technology-Lösungen, spannenden Diskussionen und einem ungebrochenen Interesse an nachhaltigem Reisen setzte die Messe wegweisende Impulse für die gesamte Branche.

1.
Die ITB Berlin 2025 stand unter dem Motto „The Power of Transition lives here“. Welche zentralen Veränderungen und Trends sehen Sie aktuell in der globalen Reise- und Tourismusbranche?
Aktuell sind zwei große Themen besonders prägend: Nachhaltigkeit und künstliche Intelligenz. Nachhaltigkeit wird immer wichtiger, auch wenn wir noch eine gewisse Diskrepanz zwischen Bewusstsein und tatsächlichem Verhalten der Reisenden sehen. Immer mehr Unternehmen setzen auf nachhaltige Konzepte, sei es durch CO₂-Kompensation, energieeffiziente Hotelanlagen oder plastikfreie Lösungen im Gastgewerbe. Doch Nachhaltigkeit hat ihren Preis – sowohl für Anbieter als auch für Konsumenten. Trotzdem sind viele Reisende bereit, einen Aufpreis für umweltfreundliche Angebote zu zahlen, da das Bewusstsein für Klimaschutz wächst.
Ein weiteres spannendes Thema ist künstliche Intelligenz. KI revolutioniert die Tourismusbranche durch Automatisierung, individuelle Reiseempfehlungen und Chatbots, die den Kundenservice verbessern. Laut aktuellen Studien werden KI-Assistenten bis 2030 die Reiseplanung weitgehend übernehmen und Reisenden maßgeschneiderte Vorschläge machen. Besonders im Bereich des Gästemanagements erleben wir einen großen Wandel – von personalisierten Hotelbuchungen bis hin zu automatisierten Check-in- und Check-out-Systemen.
2.
Die ITB hat in diesem Jahr ihr Kongressprogramm um Formate wie die ITB Transition Labs und den Corporate Culture Clash Track erweitert. Welche Zielgruppen sprechen Sie damit an?
Die ITB Transition Labs sind ein brandneues Format, das intensiv in Trendthemen wie Nachhaltigkeit, Digitalisierung und Künstliche Intelligenz eintaucht. In 90-minütigen Sessions vermittelnten Experten Wissen und Lösungsansätze, die für die Branche richtungsweisend sind. Wir möchten damit Fachbesucher und Entscheidungsträger ansprechen, die aktiv an der Zukunft der Tourismusindustrie mitarbeiten möchten.
Der Corporate Culture Clash Track hingegen setzt sich mit dem Wandel in der Arbeitswelt auseinander. Besonders die jüngere Generation stellt neue Anforderungen an Arbeitgeber: Sie erwarten flexible Arbeitsmodelle, eine positive Unternehmenskultur und nachhaltige Unternehmenswerte. Unternehmen müssen sich diesem Wandel anpassen, um talentierte Fachkräfte zu gewinnen und langfristig zu halten. Auf der ITB hatten wie Panels und Informationsveranstaltungen dazu, wie sich Arbeitgeber aufstellen müssen, um die Zusammenarbeit zwischen den Generationen zu fördern und eine moderne Unternehmenskultur zu etablieren.
3.
Der Bereich Travel Technology nimmt eine immer wichtigere Rolle auf der ITB ein. Über welche technologischen Innovationen konnten die Besucher sich auf der diesjährigen Messe informieren?
Travel Technology ist ein essenzieller Bestandteil der ITB und wächst rasant. Vor acht Jahren hatten wir nur wenige Aussteller in diesem Bereich, inzwischen füllen sie sechs Hallen mit Innovationen aus über 40 Ländern. Es gibt neue Entwicklungen in Reservierungssystemen, Zahlungslösungen, Smart Destinations und der Automatisierung von Reiseabläufen. Besonders spannend waeren in diesem Jahr die neuen Guided Tours, bei denen gezielt Innovationen in der Reisebranche vorgestellt wurden. Hier konnten Teilnehmer aus erster Hand erleben, wie Technologien die Art und Weise, wie wir reisen, nachhaltig verändern werden. Von KI-gestützten Reiserouten bis hin zu biometrischen Passkontrollen – die Reisebranche wird digitaler und effizienter.
4.
Wie entwickelt sich die Nachfrage nach Reisen trotz wirtschaftlicher Herausforderungen?
Die aktuelle wirtschaftliche Lage hat kaum Einfluss auf das Reiseverhalten – im Gegenteil: Die Nachfrage nach Reisen steigt kontinuierlich. Menschen möchten die Welt entdecken, und gerade nach den Einschränkungen der letzten Jahre hat das Reisen einen noch höheren Stellenwert bekommen. Interessanterweise sparen viele eher bei Konsumgütern oder Nahrung als bei Reisen. Auch Luxusreisen sind weiterhin gefragt, wobei sich die Präferenzen leicht verändern – viele setzen verstärkt auf nachhaltige Reiseangebote und authentische Erlebnisse. Die Tourismusindustrie profitiert also von einem langfristigen Wachstumstrend.
5.
Wie engagiert sich die ITB selbst für Nachhaltigkeit?
Nachhaltigkeit ist uns ein großes Anliegen, und wir setzen an verschiedenen Stellen an. Ein Beispiel ist unser CO₂-Kompensationsprogramm, bei dem Besucher die Möglichkeit haben, ihre Emissionen auszugleichen. Zusätzlich bieten wir nachhaltige Verpflegungskonzepte an – beispielsweise Lunchtüten, bei denen mit jeder Bestellung soziale Projekte unterstützt werden. Darüber hinaus arbeiten wir mit Partnern zusammen, um ressourcenschonende Lösungen für die gesamte Messe zu entwickeln, sei es durch nachhaltige Standbaukonzepte oder durch Recycling-Initiativen. Unser Ziel ist es, die ITB so umweltfreundlich wie möglich zu gestalten und gleichzeitig eine Plattform für den nachhaltigen Wandel in der Tourismusindustrie zu bieten.
