Taiwan zählt zu den spannendsten, aber noch immer unterschätzten Reisezielen Asiens. Die herzförmige Insel vereint jahrtausendealte Kultur, beeindruckende Naturwunder und außergewöhnliche Kulinarik. Eine Rundreise führt von der pulsierenden Hauptstadt Taipeh über die mystische Taroko-Schlucht bis zu den tropischen Stränden im Kenting Nationalpark. Malerische Altstädte, heiße Quellen, Nachtmärkte und abgelegene Waldgebiete machen Taiwan zu einem abwechslungsreichen Reiseziel, das Reisenden authentische Erlebnisse abseits der bekannten Touristenspots bietet.
Taipeh: Wo Tradition auf Moderne trifft
Taiwans lebhafte Hauptstadt Taipeh ist ein faszinierender Schmelztiegel aus Kultur, Geschichte und Gastronomie. Das imposante Wahrzeichen der Stadt ist der gläserne Wolkenkratzer Taipei 101, dessen Form an einen gigantischen Bambus erinnert. Mit einem der schnellsten Aufzüge der Welt gelangt man binnen 36 Sekunden in die schwindelerregende Höhe des 89. Stocks. Der Observation Floor bietet einen atemberaubenden 360-Grad-Blick auf die Skyline und die Möglichkeit, den mächtigen Dämpfer des Hochhauses zu bestaunen, der bei Wind und Erdbeben für entsprechende Stabilität sorgt.

Abseits der modernen Architektur bewahrt Taipeh seine historischen Schätze wie den Longshan-Tempel, ein beeindruckendes buddhistisches Heiligtum, das zur Ruhe und Besinnung einlädt. Die prachtvollen Hallen, umgeben von brennenden Räucherstäbchen und gedämpften Gebetsklängen, sind der buddhistischen Göttin der Barmherzigkeit Kuan-in gewidmet.
Kulturinteressierte sollten den Nationalpalast besuchen, dessen Museum die weltweit größte Sammlung chinesischer Kunstwerke beherbergt. In den Hallen liegen Schätze von unschätzbarem Wert, die 8.000 Jahre ostasiatische Geschichte umspannen. Die berühmteste Attraktion ist der Jade-Kohlkopf, ein kleines, meisterhaft gearbeitetes Stück Jade in Form eines Chinakohls mit einer winzigen Heuschrecke und Grille. Es gilt als Nationalschatz Taiwans und ist hier so berühmt wie die Mona Lisa im Louvre.

Entspannung findet man vor den Toren der Stadt im Beitou Hot Spring Park, wo natürliche heiße Quellen inmitten der malerischen Bergkulisse zum Verweilen einladen. Das warme, heilende Wasser wirkt wahre Wunder nach einem langen Sightseeing-Tag.
Taipeh verführt mit einer Street-Food-Kultur, die so lebendig ist wie die Stadt selbst. Auf den zahlreichen Nachtmärkten, allen voran dem legendären Shilin-Markt, entfaltet sich Taiwans kulinarische Seele zwischen flirrenden Neonlichtern und dem rhythmischen Klackern der Garküchenpfannen. Unbedingt probieren sollte man hier traditionelle Spezialitäten wie Jiao Zi (gedämpfte Teigtaschen), Ke Zai Jian (Austernomelette), Chòu dòufu (fermentierter Tofu, gewöhnungsbedürftig, aber köstlich) und natürlich den berühmten Bubble Tea.

Jiufen: Nostalgische Bergidylle
Das malerische Bergdorf Jiufen schmiegt sich an die steilen Hänge der Keelung Mountains, nur eine Autostunde östlich von Taipeh entfernt. Enge, gepflasterte Gassen schlängeln sich durch den Ort, gesäumt von traditionellen Teehäusern, kleinen Restaurants und nostalgischen Läden. Rote Laternen und kunstvolle Schriftzeichen an den Fassaden tauchen Jiufen in eine geheimnisvolle, fast märchenhafte Atmosphäre.

Über allem liegt der Duft von frisch aufgebrühtem Tee und würzigem Streetfood. Herzstück des Ortes ist die Jiufen Old Street, eine lebendige Gasse voller Souvenirläden und Essensstände, wo regionale Spezialitäten wie Taro Balls in süßem Sirup, gegrillter Tintenfisch am Spieß oder Fischbällchen auf den Teller kommen.
Im traditionsreichen Amei Tea House wird der taiwanesische Tee zur Kunstform erhoben. Von den großen Fenstern aus öffnet sich der Blick über die zerklüftete Küste, während die Zeit inmitten von Dampf und Teeschalen für einen Moment stillzustehen scheint.

Hualien und die spektakuläre Taroko-Schlucht
Hualien gilt als Tor zum Taroko-Nationalpark und ist zugleich für seinen 2015 eröffneten Dongdamen-Nachtmarkt bekannt, der größte seiner Art im Osten Taiwans. Mehr als 400 Stände bieten hier eine überwältigende Vielfalt an typischen Gerichten.
Im Landesinneren liegt mit der Taroko-Schlucht eine der eindrucksvollsten Naturlandschaften Taiwans. Weiße Marmorwände ragen steil in den Himmel, während der Liwu-Fluss sich wie ein türkisfarbenes Band durch das Gestein schlängelt.
Zu den beliebtesten Wanderwegen des Parks gehört der Baiyang-Trail, der durch sieben Tunnel führt, vorbei an üppigem Grün und schließlich in einem einzigartigen „Wasservorhang“ endet, der wie ein schimmernder Schleier von der Decke des letzten Tunnels herabfällt. Ebenso eindrucksvoll ist der Schwalbengrottenweg, wo sich die Vögel mit waghalsigen Flugmanövern durch die enge Schlucht bewegen. Ein anderer Pfad führt zum Schrein des Ewigen Frühlings, der hoch auf einer Klippe im Stil der Tang-Dynastie erbaut wurde und einen majestätischen Blick über den Canyon eröffnet.
Ein besonderes Erlebnis ist die Buluowan-Hängebrücke, die in 152 Metern Höhe das Liwu-Tal überspannt und als längste sowie höchste Brücke im Taroko-Nationalpark gilt. Von hier eröffnet sich ein Panorama, das den Verlauf des Flusses, die steilen Felswände und die fernen Berggipfel in einem einzigen, überwältigenden Bild vereint.

Shuangliu National Forest Recreation Area
Die Shuangliu National Forest Recreation Area im Süden Taiwans ist ein verstecktes Naturjuwel und ein echter Geheimtipp für Reisende mit Mietwagen. Obwohl es direkt am Highway zwischen Taitung und Kenting liegt, sind ausländische Besucher hier eher die Ausnahme. Der Park ist leicht zugänglich und bietet drei unterschiedliche Wanderwege, die durch dichten Wald und entlang klarer Flussläufe führen.
Höhepunkt ist die 3,6 Kilometer lange Wanderung durch dichtes Grün zum Shuangliu-Wasserfall, der sich wie ein funkelnder Schleier über moosbewachsene Felsen ergießt und als einer der schönsten seiner Art in ganz Taiwan gilt.

Kenting Nationalpark: Tropisches Paradies im Süden
Der südliche Teil Taiwans überrascht mit dem Kenting Nationalpark und seiner malerischen Küstenlandschaft. Weiße Sandstrände wie Baisha und Nanwan laden zum Entspannen ein, während spektakuläre Sonnenuntergänge unvergessliche Momente schaffen.
Versteckt zwischen Kalksteinfelsen und tropischem Dickicht liegt die Kenting National Forest Recreation Area, ein botanischer Waldgarten mit über 1.000 Pflanzenarten. Mystische Banyan-Bäume mit ihrem verbogenen Wurzelwerk und herabhängenden Ästen sorgen für magische Atmosphäre, während eine Gruppe Formosa-Makaken, eine endemische Affenart, spielerisch von Ast zu Ast springt, als würde sie den Besuchern eine kleine Show bieten.

Wer den steilen Aufstieg zum 27 Meter hohen Aussichtsturm auf sich nimmt, wird reich belohnt: Der Blick schweift über das grüne Blättermeer bis hinaus aufs offene Meer und an besonders klaren Tagen bis zur schimmernden Silhouette der Orchideeninsel.
Kaohsiung: Taiwans dynamische Hafenstadt im Wandel
In der aufstrebenden Metropole Kaohsiung an Taiwans Westküste verbinden sich kreative Energie und jahrhundertealte Geschichte zu einem faszinierenden Gesamtbild. Der Lotus-See mit seinen bunt bemalten Drachen- und Tiger-Pagoden ist ein echter Hingucker. Wichtige Regel: Durch das Drachenmaul (Symbol für Positives) geht es hinein, durch das Tigermaul (Symbol für Negativität) wieder hinaus.

Das Pier-2 Kulturzentrum haucht einer einst verlassenen Hafenfläche neues Leben ein, wo alte Lagerhäuser sich in pulsierende Räume voller Kunst, Boutiquen, Restaurants und Ausstellungen verwandelt haben. Die wohl beste Craft-Beer-Bar in Kaohsiung, Beer Talk Café & Bar, befindet sich in Halle C11. Hier gibt es eine große Auswahl an Bieren aus aller Welt und eigene Kreationen. Köstliches Matcha-Eis in vielen Varianten gibt es bei Matcha City. Für einen Blick aus der Vogelperspektive über das Zentrum und den Hafen von Kaohsiung lohnt sich der Aufstieg über mehrere Treppen zum neuen Pier-2 Tower.

Sun-Moon-Lake: Taiwans romantisches Herz
Im Herzen Taiwans entfaltet sich der Sun-Moon-Lake, eingebettet zwischen majestätischen Bergen und dichtem Grün, dessen Spiegelungen das Wasser in sanfte Farben taucht. Eine Bootsfahrt zu den verschiedenen Aussichtspunkten ist fast unverzichtbar, um die geballte Schönheit dieser Kulisse wahrzunehmen.
Der Wenwu-Tempel, 1938 im Stil eines chinesischen Palastes erbaut, thront wie ein Wächter vergangener Zeiten über dem See und ist den Kriegsgöttern Guan Yu, Yue Fei sowie Konfuzius gewidmet. Es gibt zahlreiche Treppenstufen zu erklimmen, doch die beeindruckende Aussicht macht die Anstrengung wieder wett.
Wer den See und seine Umgebung aktiv erleben möchte, sollte die Wanderschuhe schnüren oder den Sattel einstellen: Gut ausgebaute Wander- und Fahrradwege führen durch sattgrüne Wälder und verschlafene Dörfer.

Tainan: Taiwans historisches Juwel
Die Rundreise endet in der ältesten Stadt Taiwans, Tainan, wo die bewegte Geschichte auf Schritt und Tritt spürbar ist. Der Chihkan Tower, ein Wahrzeichen aus dem 17. Jahrhundert, diente einst als Verwaltungszentrum der Niederländischen Ostindien-Kompanie und beherbergt heute eine informative Ausstellung über die koloniale Vergangenheit Taiwans. Nicht weit entfernt liegt das Anping Fort (Fort Zeelandia), das ebenfalls von den Niederländern errichtet und später von den Chinesen erweitert wurde. Vom Museum aus eröffnet sich ein herrlicher Blick auf den Hafen, der einst ein wichtiges Handelszentrum und Tor zur Welt war.
Ein weiterer geschichtsträchtiger Ort ist der Koxinga-Schrein, eingebettet in eine stille Gartenanlage. Er ehrt General Zheng Chenggong, dem es im 17. Jahrhundert gelang, die Niederländer aus Taiwan zu vertreiben.

Doch die Stadt lebt nicht nur von ihrer Geschichte: Am Abend entfaltet Tainan seinen wahren Zauber in den Märkten: Der Garden Flower Night Market, der größte und berühmteste der Stadt, lockt mit Ständen voller taiwanesischen Köstlichkeiten. Andere Märkte wie Ta-Tung oder Wusheng wechseln je nach Wochentag und sind ein fest verankertes Ritual im lokalen Lebensgefühl.
Damit ist Tainan nicht nur ein würdiger Abschluss einer Reise, sondern auch ein Spiegel für das, was Taiwan so besonders macht: eine faszinierende Verbindung von Vergangenheit und Gegenwart.
Praktische Reisetipps für Taiwan
- Mietwagen: Taiwan bietet hervorragende Straßenverbindungen. Ein internationaler Führerschein ist erforderlich. In Städten sollte man besonders auf Rollerfahrer achten. Navigations-Apps erleichtern die Navigation im Hinterland.
- Öffentliche Verkehrsmittel: Das gut ausgebaute Verkehrssystem mit zuverlässigen Schnellzügen und Bussen bietet komfortable Alternativen zum Mietwagen.
- Kulinarik: Taiwans Nachtmärkte sind legendär. Unbedingt probieren: Stinky Tofu, Xiao Long Bao und Bubble Tea.
- Klima und Reisezeit: Subtropisches Klima mit feuchten Sommern und milden Wintern. In den Bergen ist es kühler als in den Küstenregionen. Die beste Reisezeit für Taiwan ist von Oktober bis April, wenn angenehme Temperaturen und meist trockenes Wetter herrschen.
- Sprache: Mandarin ist Amtssprache, zusätzlich wird Taiwanesisch (Hokkien) gesprochen. In großen Städten wird gelegentlich Englisch verstanden, einige chinesische Grundkenntnisse sind aber hilfreich.

Anmerkung der Redaktion: Der Aufenthalt wurde unterstützt von Flughafen München und Eva Air.