Verlegerin Dr. Stephanie Mair-Huydts
Dr. Stephanie Mair-Huydts ist die Verlegerin und Geschäftsführerin von MairDumont. Sie führt das Unternehmen jetzt in 3. Generation. ©MAIRDUMONT

Interview mit Dr. Stephanie Mair-Huydts

Dr. Stephanie Mair-Huydts ist Verlegerin des Reisebuchverlags MairDumont. Sie ist sich sicher, dass wir auch weiterhin real verreisen und dazu auch gedruckte Reiseliteratur einpacken. Trotzdem treibt sie auch das Digitale voran. Wir haben mal nachgefragt.

Bild von Erstellt von: Stefan Fuhr
Erstellt von: Stefan Fuhr

Wer immer sich mittels eines Reiseführers auf seinen Urlaub einstimmen möchte, greift mit großer Wahrscheinlichkeit auf ein Exemplar aus dem Haus „MairDumont“ zurück. 1948 wurde in Stuttgart das Familienunternehmen „Kartographisches Institut Kurt Mair“ gegründet. Heute – über 76 Jahre später – gehört „MairDumont“ zu den führenden Verlagen für Reiseliteratur. Mit hoher Qualität, innovativen Formaten und der Vision „Wir machen dich zum Entdecker“ inspiriert „MairDumont“ Menschen dazu, die Welt, andere und sich selbst kennenzulernen – egal ob auf Fernreisen, Camping-Trips, Wandertouren oder dem Wochenendausflug vor der Haustür. Heute wird das Unternehmen von Verlegerin und Sprecherin der Geschäftsführung Dr. Stephanie Mair-Huydts bereits in der 3. Generation geführt. Unter ihrer Leitung sind zahlreiche Produktinitiativen entstanden. Dem Pioniergeist Kurt Mairs folgend ergänzen Reiseführer, Bildbände, Reiseliteratur und digitale Produkte das Verlagsprogramm. Wir sprachen mit ihr über die Zukunft des Reisens, welche Trends sich abzeichnen und welches ihr persönliches Traumziel ist.

Gutes Kartenmaterial war früher unabdingbar für eine Reise. ©MairDumont

1.

Starten wir mit einem Blick in die Zukunft. Wie werden wir in der Zukunft verreisen? Nur noch mit einer VR-Brille auf dem Kopf rein virtuell? Und braucht es dann noch gedruckte Reiseführer??

Wir werden auch in Zukunft real verreisen. Reisen erweitert den Horizont, verbindet Menschen und Kulturen und ist einfach ein Grundbedürfnis von uns Menschen. Trendforscher sehen sogar voraus, dass das Bedürfnis der Bürger nach noch mehr Tiefe, nach einer noch intensiveren und nachhaltigeren Auseinandersetzung mit dem Reiseziel, seiner Natur, seiner Bevölkerung noch stärker wird. Genau dafür brauchen wir auch in Zukunft gedruckte Reiseführer. Sie sparen Zeit und Geld und geben Sicherheit auf Reisen. Reiseführer bieten eine kuratierte Auswahl, die unsere AutorInnen selbst recherchieren und checken. Mit unseren Marken wie z.B. MARCO POLO, DUMONT und Baedeker geben wir ein Qualitätsversprechen. Das ist in der Zeit von Fake News im Netz und der Riesenüberflutung von Informationen viel wert. Außerdem ist so ein Reiseführer auch ein Vorfreude Objekt, in das ich später Eselsohren machen, das ich am Strand in der Sonne ohne Netz lesen kann, und das nachher als Erinnerung vielleicht in meinem Regal steht. Aber auch das virtuelle Reisen wird zunehmen, als Zeitvertrieb und auch als Vor- und Nachbereitung für eine Reise.

Eindrücke einer Reise … ©MairDumont

2.

Können Sie an den Verkäufen der Reiseführer die Reisetrends ausmachen? Welche wären das?

Ja, das können wir. So sind z.B. Japan Reiseführer im Moment eine der bestverkauften Reiseführer. Auch zeigt der Erfolg unserer ganz neuen MARCO POLO Outdoor Serie Outdoor Guides, dass die Leute einfach gerne in der Natur sind und eine Reisedestination durch verschiedenste Aktivitäten draußen kennen- und lieben lernen wollen. Oder unsere DUMONT Serie Radelzeit zeigt, dass das Thema Radfahren ein Thema für alle geworden ist, nicht nur für Hardcore-Sportler, sondern auch für Leute, die es auch mal gemütlich angehen wollen und auf besondere Stopps Wert legen.

Neonlicht in Tokio
Japan – hier Tokio – scheint ein Top-Reiseziel zu sein. Die Japan-Reiseführer gehören zu den bestverkauften. ©Jezael Melgoza/Unsplash

3.

Ihr Verlag verlegt seit über 75 Jahren Reiseführer – wie hat sich das Reiseverhalten verändert? 

Die Entwicklung der Reisens und des Tourismus ist eine Spiegelbild unserer Gesellschaft. Der erste Reiseführer der Welt ist der Baedeker im Jahr 1835 mit dem Titel „Die Rheinreise“. Dies war zu der Zeit, als die Dampfschifffahrt und die Dampfeisenbahn entdeckt wurde. Damit ging die Demokratisierung des Reisens einher, verbunden mit der Notwendigkeit, dass der Reisende Informationen brauchte für den Ort, wo er ausstieg – wo ist das nächste Hotel, wo esse ich, was gibt es dort zu sehen. Nach dem 2. Weltkrieg begann dann die Zeit des Flugverkehrs. Ferne Länder konnten entdeckt werden. Es war die Zeit des Bildungsbürgertums, das sich neue Kulturen erschloss. 1968 erschien z.B. der erste DUMONT Kunstreiseführer. In dieser Zeit der 68er Jahre entwickelte sich auch die Zeit der Individualreisen, auch mit kleinem Budget. Tony Wheeler reiste auf dem Hippie Trail bis ganz nach Australien und veröffentlichte mit Asia on the Cheap mit seinen Erfahrungen 1973 den ersten Lonely Planet Reiseführer. Mit dem Launch unserer MARCO POLO Reiseführer im Jahr 1991 kamen wir dem Bedürfnis der Reisenden nach, für die das Thema Ausgehen, Shoppen, Essen & Trinken genau den gleichen Stellenwert besaß auf Reisen wie Sehenswürdigkeiten. Wir schafften das erste Mal einen Reiseführer, der 4farbig, kurz und knackig auch diese Lifestyle Themen einer Reisedestination darstellte mit vielen Insider-Tipps.  Alle unsere Marken – Baedeker, DUMONT, Lonely Planet und MARCO POLO – spiegeln die Wünsche unserer LeserInnen und ihres Reiseverhaltens wider und werden regelmäßig nicht nur von der Aktualität der Informationen, sondern auch von den Themen und der Art und Weise der Aufbereitung immer wieder angepasst.

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4.

Wie fördert MairDumont nachhaltiges Reisen und verantwortungsvollen Tourismus in ihren Publikationen? 

MAIRDUMONT steht seit unserer Gründung vor 75 Jahren für einen kulturell-, sozial- und ökologisch verträglichen Tourismus. Dies erreichen wir durch unsere Informationen in unseren Reiseführern. Wir erklären Naturphänomene, zeigen den Reisenden die Schönheit unseres Planeten und informieren sie über die Vielfalt der Kulturen unserer Welt. Dadurch sensibilisieren wir sie für die Themen Natur, Tiere, Völkerverständigung und auch die Risiken, wenn wir als Menschen nicht sorgsam mit diesen Schätzen umgehen. Wir zeigen Wege auf, wie man den CO2 Verbrauch der Anreise und der Mobilität generell minimieren kann. Durch besondere Publikation wie z.B. „Europa ohne Flieger“, „Zug statt Flug“ geben wir Inspirationen für einen erlebnisreichen Urlaub mit kleinem CO2 Fußabdruck.

Wüstenlandschaft in Patagonien
Patagonien erstreckt sich über einen großen Teil der Südspitze Südamerikas. Landschaftlich gibt es Steppen, Wüsten aber auch Regenwälder und Gletscherfjorde. ©Birger Strahl/Unsplash

5.

Sie haben sicherlich viel von der Welt gesehen – was steht auf ihrer Bucket-List ganz oben? Und an welche Reise denken Sie gerne zurück?

Ich war noch nie in Südamerika und möchte da besonders nach Patagonien. Ich liebe Klippen und wilde Natur, das erhoffe ich mir dort. Gerne denke ich an meine Reise mit der Transsibirischen Eisenbahn von Moskau nach Shanghai zurück. Auf keiner anderen Reise hab ich den Weg und die Veränderung von Land & Leuten so sehr gespürt, wie in diesen 5 Tagen: von dem eiskalten Moskau mit Schnee, über die endlosen Birkenwälder von Sibirien mit Wodka und schwerer Kartoffelsuppe im Speisewagen, über die Weiten der Mongolei und sonnenbestrahlten Wüstenlandschaften bis hin nach Shanghai, wo wir bei 30 Grad ausgestiegen sind, mit dem Flirren und Gewusel von Chinesen und der leichten variantenreichen Küche. Beides konnte man auch schon im Zug spüren und genießen.

MairDumont

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