Hotelier Niels Battenfeld.
Hotelier Niels Battenfeld vor einem seiner "Lieblingsplätze". ©Daniel Karl

Interview mit Niels Battenfeld

Niels Battenfeld ist ein Hotelier, der seine Gäste zu begeistern weiß. In seinen „Lieblingsplatz"-Hotels setzt er auf Digitalisierung und Innovation. In Grömitz kocht z.B. ein Kochroboter.

Erstellt von: Stefan Fuhr
Erstellt von: Stefan Fuhr

Hotelier Niels Battenfeld ist ein Pionier im Tourismus und Gastgewerbe. Mit seiner „Lieblingsplatz“-Hotelgruppe zeigt er, dass er weiß, wie man Gäste begeistert. Der Visionär verwandelt Privathotels, Pensionen und Garni Hotels in „Lieblingsplätze“ mit dem wohl einzigartigen Urlaubsgefühl, sich wie zu Besuch bei Freunden oder in einem zweiten Zuhause zu fühlen. Im Sommer 2023 eröffnete er im Grömitzer Dünenpark seinen neuesten Wurf, den familienfreundlichen „Surf Rescue Club“, der komplett auf Digitalisierung und Innovation setzt. Mit seinem innovativen gastronomischen Konzept ist Battenfeld der First Mover in der Branche: Im „Lieblingsplatz der Zukunft“ kocht nämlich ein Roboter. 

1.

Was ist die Idee hinter „Lieblingsplatz“?

Alle die von mir betriebenen Häuser haben eine Seele. Ich stehe nicht auf klassische Hotels. Mit unserem Konzept möchte ich die typischen Gepflogenheiten und auswendig gelernten Floskeln durchbrechen und den Gästen ein Wohnzimmer und ein Zuhause schaffen, eben einen echten „Lieblingsplatz“. Wir versuchen über ein authentisches Erlebnis und über die Persönlichkeit unserer Gastgeber zu überzeugen. Wir wollen kein Hotel sein, wir wollen keine Zimmer verkaufen, sondern Zeit. Und wir behandeln unsere Gäste so wie sie behandelt werden würden, wenn sie bei Freunden übernachten. Die Hardware-Schlacht gegen andere große Hotelketten kann ich eh nicht gewinnen, aber ich kann mit Herz, Charme und Individualität überzeugen. Und – gerade auch am neuen Standort an der Grömitzer Strandpromenade – mit einer direkten Strandlage zu einem erschwinglichen Preis.

2.

Was ist aktuell für Sie die größte Herausforderung in der Hotellerie?

Die Schwierigkeit ist, dass wir unsere Hotels an attraktiven Orten haben, an denen es viele Mitbewerber gibt, die alle nach den gleichen Mitarbeitern suchen. Von diesen Mitarbeitern gibt es aber leider nicht genug. Dementsprechend stehen alle im Tourismus Bereich vor einer herausfordernden Zeit und gerade deshalb müssen gelernte, aber aus meiner Sicht unnötige Prozesse deutlich vereinfacht und verschlankt werden. Wir konzentrieren uns bei der Mitarbeitersuche vermehrt auf Quereinsteiger, die Lust haben, Gastgeber zu sein.

Kochroboter im Hotel Surf Rescue Club
Der Kochroboter im Surf Rescue Club im Grömitzer Dünenpark. ©Daniel Karl

3.

Was hat Sie dazu bewogen, einen Kochroboter anzuschaffen?

Wie schon gesagt, es ist schwierig, Mitarbeiter für die Hotellerie und Gastronomie zu finden. Da verrate ich kein Geheimnis! Wir haben viel getestet, unsere Erfahrung aus unseren anderen Hotels eingebracht und mit starken Partnern zusammengearbeitet. Der „Surf Rescue Club“ mit seinem digitalen Konzept dient uns nun als Vorlage für alles andere. Wir werden das Ganze nämlich nicht nur auf unsere eigenen Häuser und neue weitere Hotels übertragen, sondern auch als Berater für andere Hoteliers zur Verfügung stehen. Gerade ältere Häuser können wir so verhältnismäßig einfach von der alten Welt in die neue Welt überführen. Mittlerweile gibt es in der „Lieblingsplatz“-Gruppe neun Hotels zwischen Tirol und Rügen. Zudem planen wir aktuell ein Lizenzmodell für weitere „Lieblingsplätze“. 

4.

Welche Potenziale werden durch Digitalisierung frei bzw. wie wird sich das langfristig auf das Thema Fachkräftemangel auswirken?

Unsere Mitarbeiter können sich durch den hohen Digitalisierungsgrad verstärkt um die Gäste kümmern, müssen sich nicht von lästigen Arbeitsschritten und immer wiederkehrenden Aufgaben aufhalten lassen. Uns ist es wichtig, mehr Zeit und Muße für die wesentlichen Aufgaben zu haben und mit mehr Spaß die Nähe zum Gast zu suchen! Das Thema Fachkräftemangel spielt in diesem Zusammenhang eine entscheidende Rolle – selbst wenn ich wollte, finde ich aktuell keinen bezahlbaren Koch. Wir finden aber jemanden, der Lust hat, den Kochroboter zu betreuen, sich in der übrigen Zeit, um unsere Gäste zu kümmern und dabei sogar Zeit für eine Pause am Strand hat. Ich glaube, dass uns dieses Thema in der Branche dauerhaft begleiten wird und wir uns deshalb zeitgemäße Konzepte überlegen müssen. Preis und Qualität müssen für dauerhaften Erfolg stimmen und eben auch die Atmosphäre. Wir müssen Digitalisierung und KI als Chance begreifen und dürfen nicht krampfhaft an Altem festhalten. Die neue Welt hat längst begonnen!

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5.

Der Surf Rescue Club soll eine „Neuinterpretation von Urlaub“ bieten. Wie sieht Urlaub in der Zukunft Ihrer Ansicht nach aus?

So wie bei uns. Mein Team besteht aus echten Gastgebern, die mit viel Herzblut unseren Gästen einunvergessliches Urlaubserlebnis bereiten. Unsere Mitarbeiter verstecken sich hinter keiner Rezeption oder sitzen im Büro, sondern sind mittendrin in der Lobby, unserem „Wohnzimmer“ anzutreffen. Ansprechbar, hilfsbereit und nahbar. Entscheidend ist, dass der Urlaub im eigenen Land erschwinglich bleibt. Der „Surf Rescue Club“ ist ein Lifestyle Budget Hotel für junge Leute, Familien mit Kindern, Surfer und alle, die den Vorteil dieses bezahlbaren Konzepts zu schätzen wissen. Fast alle Zimmer haben bei uns Meerblick und wir befinden uns in direkter Strandlage. Preislich sind wir unschlagbar. Zimmerpreise von 300 Euro pro Nacht mit einer 4-köpfigen Familie sind nicht für jeden bezahlbar, da überlegt man sich schon, ob man nicht lieber an einen Ort mit Sonnengarantie reist. Deshalb ist es wichtig, umzudenken, damit der Trend „Urlaub in Deutschland“ bestehen bleibt.