Saint-Jean-Pied-de-Port ist eines von vier baskischen Dörfern, die sich mit dem Titel „schönste Dörfer Frankreichs“ schmücken dürfen ©Pierre Carton

Strandkoller? Nein Danke!

Die französische Atlantikküste lockt mit weiten Sandstränden, aber auch abseits des Meeres gibt es schöne Orte zu entdecken, wie die malerischen baskischen Dörfer Ainhoa und Sare sowie das Fischerdorf Talais im Médoc.

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Erstellt von: Stefan Fuhr

Wer sich im Urlaub auf den Weg nach Frankreich macht, den locken meist die weiten Sandstrände an der 1.200 Kilometer langen französischen Atlantikküste, wie in Lacanau und Mimizan. Doch auch einige Kilometer landeinwärts gibt es schöne Orte zu entdecken, die es lohnen, das Meer einfach mal links liegen zu lassen: vom Örtchen Ile d’Olonne über das Fischerdorf Talais im Médoc bis hin zu den malerischen baskischen Dörfern Ainhoa und Sare.

Ainhoa und Sare sind neben Saint-Jean-Pied-de-Port und La Bastide-Clairence, zwei von vier baskischen Dörfern, die sich mit dem Titel „schönste Dörfer Frankreichs“ rühmen dürfen. Hier reihen sich die für die Gegend typischen Steinhäuschen mit ihren weißen Fassaden und dem rot, blau oder grünem Holzfachwerk mit passenden Fensterläden aneinander. Die baskischen Häuser, Etxe(a) auf Baskisch, bilden den Grundstein des sozialen und politischen Lebens in den Dörfern. Herzstück dieser Orte ist häufig der Frontón, jene Prellwand des baskischen Pelota-Spiels.

Typische Steinhäuschen mit ihren weißen Fassaden und dem rot, blau oder grünem Holzfachwerk mit passenden Fensterläden. ©Destination Cìte Atlantique/F. Makhlouf

Zauberhaftes 700-Seelen-Dorf Talais

Zwischen Atlantik und dem Fluss Gironde liegt Talais. Bis ins 15. Jahrhundert hinein war die Ortschaft im Médoc noch eine Insel. Auch heute spielt die Fischerei im 700-Seelen-Dorf eine wichtige Rolle. Von malerischen Pfahlhäusern aus lassen die Fischer ihre quadratischen Netze ins Wasser gleiten. Im Austernhafen am Kanal von Talais laden die kleinen weiß-blauen Hütten der Austernzüchter zur Verkostung der lokalen Spezialität ein. Wer die Umgebung erkunden möchte, den führt eine 13-Kilometer lange Tour zu Fuß oder mit dem Rad einmal rund um das Dorf und bis zur Flussmündung.

Malerische Pfahlhäuser in Talais. ©MCdoc Artlantique Tourisme

Hängebrücke aus dem Jahr 1841: Bau mit Hindernissen

Eine der ältesten Hängebrücken Europas überspannt östlich der Stadt Rochefort den Fluss Charente. Die Hängebrücke von Tonnay-Charente war zeit ihres Baus mit wenig Glück gesegnet. 1841 fertig gestellt und 1842 eingeweiht, sackte sie immer mehr ab. Erst 1985 wurde sie für den Straßenverkehr freigegeben, doch konnte sie schon kurze Zeit später der stetig wachsenden Belastung nicht mehr standhalten. Zum Vorteil für Fußgänger und Radfahrer, denn die fotogene Hängebrücke, die von 51 Arkaden getragen wird, ist heute für Autos nicht mehr befahrbar. Verschiedene Radwege wie zum Beispiel der acht Kilometer lange Rundweg „Circuit des Aqueducs“ passieren die Brücke.

Die Hängebrücke von Tonnay-Charente ©Aurclie Stapf

Naturreservat lädt zum Entspannen ein

Fernab jeglichen Trubels und inmitten der Natur liegt Ile d’Olonne. Von der Küste aus sind es nur rund zehn Kilometer in jenes Dorf, welches früher die Heimat zahlreicher Salzbauern war. Naturfreunde finden hier ein Naturreservat vor, welches zum Entspannen einlädt: Westlich des Dorfes erstrecken sich die Salzwiesen. Außerdem ist die Region Heimat unzähliger Vogelarten und auch Weinreben gedeihen bestens. Vom Glockenturm der Kirche Saint-Martin de Vertou offenbart sich ein Panoramablick über die Landschaft, die kleinen Gässchen sowie der vom Marschland und zwei Flüssen geprägten Natur. Für Aktive: Eine 14 Kilometer lange Wanderung führt in knapp vier Stunden einmal durch das Naturreservat.

Die Region rund um Ile d’Olonne ist Heimat unzähliger Vogelarten und auch Weinreben gedeihen bestens. ©S.Bourcier

Bootshäuser und Flugplatz für Wasserflugzeuge

Inmitten der Pinienwälder, nahe dem bekannten Ort Biscarrosse, befinden sich gleich drei Seen, wobei der Atlantik jeweils nur einen Katzensprung entfernt ist. Hier bietet sich dem Reisenden ein Einblick in die interessante Geschichte der Region. Am Südufer des Sees von Biscarrosse liegt der Ort Gastes mit seinen über 100 Jahre alten Bootshäusern. In Biscarrosse selbst erzählt ein Museum die Geschichte der Wasserflugzeuge, die hier bereits 1910 starteten und Transatlantikflüge nach New York oder Fort-de-Francemeisterten. Am Steuer Luftfahrtlegenden wie Mermoz, Guillaumet oder Saint-Exupéry. In Sanguinet lädt das „Conservatoire des Landes“ ein, in die Kultur des Departements einzutauchen und Traditionen, wie der Harzgewinnung, beizuwohnen.

Über 100 Jahre alte Bootshäuser in Gastes nahe Biscarrosse. ©Yohan Espiaube

Der Koch, der seine Gerichte erst zeichnet

Der regionale Naturpark La Brière gilt aufgrund seiner Vielfalt als eines der biologisch reichsten Feuchtgebiete Europas. Seine Schönheit hat auch Eric Guérin erkannt. 1995 zog es den Gastronomen von Paris in die Natur, wo er auf einer von sieben Inseln der Gemeinde Saint-Joachim inmitten des Naturparks ein Hotel-Restaurant mit Spa eröffnete, das „La Mare aux Oiseaux“. Früher Koch im Ministerium, kreiert er heute über 300 Gerichte pro Jahr, inspiriert von seinem eigenen Leben, seinen Reisen und Begegnungen. Dabei verfolgt er eine besondere Vorgehensweise: Eric zeichnet seine Gerichte bevor er sie vorbereitet!

Weitere Informationen zur französischen Atlantikküste unter atlantikkustefrankreich.de.